In meinem heutigen Beitrag zeige ich euch, wie ihr eure Heizung entlüften und die Heizungsanlage wieder mit Wasser befüllen könnt. Beides gehört zusammen, wird in der Praxis aber häufig getrennt betrachtet. Das ist einer der Gründe, warum viele Heizkörper mehrmals im Winter entlüftet werden müssen.
Der Zusammenhang ist schnell erklärt: Wasser ist euer Energieträger im Heizungsnetz. Befindet sich Luft im Netz, ist gleichzeitig zu wenig Wasser in der Anlage, die Wärme lässt sich nicht mehr ausreichend im Gebäude verteilen und eure Heizungsanlage läuft ineffizient. Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz kann eine ordentlich befüllte Heizungsanlage bis zu 15 % Heizkosten einsparen. Ich denke, diese Zahl ist etwas hochgegriffen und etwa 5–10 % sind realistisch.
Wenn in eurer Heizungsanlage nicht ausreichend Wasser ist, hört ihr gluckernde oder plätschernde Geräusche und findet Heizkörper, die nicht mehr richtig warm werden. Die Heizung zu entlüften allein hilft hier nur bedingt, denn ohne ausreichende Wasserfüllung fehlt schlicht der Wasserdruck (Anlagenfülldruck), der die Luft zum Entlüftungsventil schiebt.
Tipp: Heizung entlüften und nachfüllen sind deshalb ein kombinierter Arbeitsgang, den ihr am besten zu Beginn jeder Heizperiode durchführt.
Wie kommt die Luft überhaupt in die Heizung?
In offenen Heizungsanlagen war eintretende Luft immer ein Thema. Offene Systeme sind heute allerdings die Ausnahme, der Großteil wurde längst zu geschlossenen Systemen umgebaut. Damit stellt sich die berechtigte Frage, wie die Luft in einem geschlossenen Heizungssystem überhaupt in den Heizkörper gelangt. Dafür gibt es mehrere Ursachen:
- Die Anlage verliert über Undichtigkeiten Wasser, wodurch Luft eindringen kann.
- Bei Unterdruck im System tritt über gasdurchlässige Bauteile wie Verbindungsstücke und Dichtungsringe Luft ein.
- Beim Befüllen der Anlage konnte die im System befindliche Luft nicht vollständig entweichen.
- Im Nachfüllwasser ist ein hoher Anteil absorbierter Luft enthalten, der im Betrieb wieder ausgast.
Der Begriff „geschlossen“ darf dabei nicht mit „absolut dicht“ verwechselt werden. Kein reales Heizungsnetz ist vollständig dicht, ein geringer Luftanteil lässt sich also nie ganz vermeiden und ist auch kein Grund zur Sorge.
Hinweis: Wenn ihr feststellt, dass ihr eure Heizkörper regelmäßig entlüften und die Anlage oft mit Wasser befüllen müsst, geht dem System dauerhaft Wasser verloren und die Anlage kann beschädigt sein. Zusätzlich begünstigt der ständige Sauerstoffeintrag Korrosion im Heizungsnetz. Zieht in diesem Fall eure Fachfirma hinzu, bevor Folgeschäden entstehen.
Welches Symptom deutet auf was hin?
Nicht jedes Geräusch und nicht jeder kalte Heizkörper hat dieselbe Ursache. Die folgende Übersicht ist als erste Einordnung gedacht, nicht als abschließende Diagnose.
| Symptom | Mögliche Ursache | Was ihr prüfen könnt |
|---|---|---|
| Gluckern oder Plätschern im Heizkörper | Luft im System | Heizung entlüften/ Heizkörper entlüften |
| Heizkörper oben kalt, unten warm | Luftpolster im oberen Bereich | Entlüften, anschließend Anlagendruck prüfen |
| Anlagendruck fällt wiederholt ab | Undichtigkeit oder defektes Ausdehnungsgefäß | Fachfirma einschalten, nicht nur nachfüllen |
| Heizkörper bleibt vollständig kalt | Ventil sitzt fest, oder Luft in Kombination mit zu niedrigem Druck | Ventilgängigkeit und Anlagendruck prüfen |
Tabelle 1: Typische Symptombilder bei Luft im Heizungssystem
Welcher Druck für eure Anlage der richtige ist, hängt unter anderem von der Gebäudehöhe ab. Der statische Druck (Anlagenfülldruck) steigt pro Meter Wassersäule um etwa 0,1 bar, damit auch der oberste Heizkörper noch ausreichend versorgt wird. Den konkreten Wert für eure Anlage muss euch eure Fachfirma nennen.
Die Heizungsanlage mit Wasser befüllen
Das Nachfüllen dürft ihr grundsätzlich selbst übernehmen, sofern eine geeignete Sicherungsarmatur vorhanden ist und ihr das mit eurer Fachfirma abgestimmt habt. Lasst euch den Vorgang vorher einmal zeigen. Bei der Gelegenheit erfahrt ihr auch gleich, welcher Anlagenfülldruck für eure Heizung der richtige ist.
WICHTIG: Ihr solltet eure Heizungsanlage ausschließlich über eine Heizwassernachfüllstation befüllen. Der klassische Gartenschlauch (meist gelb), der an einer Zapfstelle angeschlossen und mit dem Heizkreis verbunden wird, scheidet aus. Auch ein Schlauchanschlussventil mit integriertem Rückflussverhinderer erfüllt die Anforderungen nicht.
Technischer Hintergrund: Heizungswasser wird je nach zugesetzten Stoffen der Flüssigkeitskategorie 3 oder 4 nach DIN EN 1717 zugeordnet. Das bedeutet, es gilt als gesundheitsgefährdend. Wenn ihr beispielsweise Heizungswasser ohne Inhibitoren (also ohne chemische Zusätze) verwendet, fällt dies in die Flüssigkeitskategorie 3 und eine Systemtrennung Typ CA ist zulässig (arbeitet mit drei Druckzonen, ist jedoch nicht prüfbar). Wenn ihr Heizungswasser mit Inhibitoren (mit chemischen Zusätzen), wie Korrosionsschutz, verwendet, fällt das Wasser in die Flüssigkeitskategorie 4 und eine Systemtrennung Typ BA ist erforderlich (besitzt eine kontrollierbare Mitteldruckzone mit Prüfanschlüssen). Hierzu gibt es einen passenden Beitrag vom SBZ (Erklär mal: Die Funktion eines Systemtrenners).
Doch warum benötigt man nun eine Systemtrennung? Durch Undichtigkeiten oder einen unerwünschten Unterdruck im Trinkwassernetz kann verunreinigtes Heizungswasser ungewollt in euer Trinkwassernetz gelangen. Eine Systemtrennung verhindert dies und schützt euer Trinkwassernetz. Eine Heizwassernachfüllstation enthält in der Regel bereits einen passenden Systemtrenner als Sicherungsarmatur und lässt sich jederzeit durch einen Fachbetrieb nachrüsten.
Das gilt übrigens auch für Etagenheizungen. Bei fast allen Gas-Etagenheizungen ist beispielsweise werkseitig keine Systemtrennung Typ CA/BA vorhanden, sodass die Systemtrennung bauseits nachgerüstet werden sollte. Hier gibt es beispielsweise den Wohnungs-BA von Kemper oder ähnliche Produkte von anderen Herstellern.
Findet ihr in eurer Heizungszentrale noch einen fest angeschlossenen Wasserschlauch, sprecht eure Fachfirma darauf an und bittet um den Einbau einer geeigneten Sicherungsarmatur.

Die Vorgehensweise zur Befüllung der Heizungsanlage mit Wasser lässt sich in vier Schritte gliedern. Ihr benötigt dafür keine Werkzeuge.
Dauer: ca. 45 min
Schritt 1: Vorbereiten
Öffnet an allen Heizkörpern die Thermostatköpfe, dreht sie also auf die höchste Stufe oder stellt eine hohe Raumtemperatur ein. Während der Befüllung müsst ihr zudem alle Umwälzpumpen ausschalten.
Schritt 2: Befüllen
Werft zunächst einen Blick auf das Manometer der Nachfüllstation, um den Ausgangswert zu kennen. Dann füllt so lange, bis der von eurer Fachfirma vorgegebene Wert erreicht ist. Zum Befüllen öffnet ihr den Hahn der Nachfüllstation so, wie es euch eure Fachfirma gezeigt hat.
Schritt 3: Warten und entlüften
Ist das gewünschte Drucklevel erreicht, schließt ihr die Wasserzufuhr und wartet 20 bis 30 Minuten. In dieser Zeit kann sich die überschüssige Luft im Heizungssystem sammeln. Anschließend entlüftet ihr alle Heizkörper, wie im folgenden Abschnitt beschrieben.
Schritt 4: Nachfüllen
Nach dem Entlüften ist der Druck meist wieder etwas gesunken. Führt daher Schritt 2 erneut durch, schließt die Wasserzufuhr und schaltet eure Umwälzpumpen wieder ein.
Hinweis: Es gibt auch automatische Heizwassernachfüllstationen, die den Wasserdruck im System konstant halten und bei Bedarf selbstständig nachfüllen. In größere Heizungsanlagen mit Gebäudeleittechnik werden diese öfters eingebaut. In kleineren Gebäuden (Ein- und Mehrfamilienhäusern) würde ich sie jedoch nicht einbauen lassen, denn dann würden Undichtigkeiten im Heizungsnetz erst zu spät oder gar nicht auffallen.
Das Entlüften der Heizkörper
Beim Entlüften habt ihr die Wahl zwischen Handarbeit und Automatik. Entweder ihr geht mit dem Entlüftungsschlüssel selbst durchs Haus, oder ihr lasst euch von einem Fachbetrieb selbsttätige Entlüfter montieren, wie in Abbildung 2 zu sehen. Letztere lassen angesammelte Luft eigenständig ab und ersparen euch die jährliche Runde durch alle Räume.

Anekdote: Für dieses Bauteil hält sich hartnäckig ein Spitzname, den die Comicverfilmung „Werner Beinhart!“ von 1990 populär gemacht hat. In der Rohrbruch-Szene klagt Frau Hansen am Telefon über ihre lärmende Heizung, woraufhin Meister Röhrich wissen möchte, ob bei ihr denn schon einmal ein „Schnüffelstück“ gesetzt worden sei. Die Dame am anderen Ende versteht nur Bahnhof, gemeint war ein selbsttätiger Entlüfter. Der folgende Videoausschnitt zeigt die Szene ????
Ganz korrekt ist die Bezeichnung allerdings nicht, denn sie wird uneinheitlich verwendet. Manchmal steht das Schnüffelstück für eine Armatur mit genau umgekehrter Funktion: Sie lässt bei Unterdruck kontrolliert Luft einströmen, bis sich die Druckverhältnisse wieder normalisiert haben. Andere Quellen führen es als kombiniertes Be- und Entlüftungsventil. Weil die Bedeutung je nach Fundstelle unterschiedlich sein kann, bleibt lieber beim Begriff „selbsttätiges Entlüftungsventil“, außer ihr habt gerade Lust, über Werner und Meister Röhrich zu fachsimpeln.
Wann sollte man die Heizung entlüften? Zeitlich passt die Entlüftung am besten in die Wochen vor der Heizperiode, gemeinsam mit dem Nachfüllen. Bei älteren Anlagen oder solchen mit bekannten Schwachstellen können im Winter vereinzelte Heizkörper nochmals zu entlüften sein.
An Werkzeug braucht ihr nicht viel, das meiste habt ihr vermutlich schon im Haushalt:
- Eimer oder ein ausreichend großes Auffanggefäß
- Ausgedientes Handtuch oder ein Lappen
- Entlüftungsschlüssel, erhältlich für ein paar Euro im Baumarkt
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Heizung entlüften in vier Schritten: Die manuelle Entlüftung lässt sich in vier Schritte unterteilen. Das Entlüften eines Heizkörpers dauert in der Regel etwa 2–3 Minuten.

Schritt 1: Vorbereiten
Sofern ihr nicht ohnehin gerade nachfüllt, öffnet zunächst sämtliche Thermostate vollständig und nehmt die Umwälzpumpe außer Betrieb. Danach etwa 20 bis 30 Minuten Geduld, bis die Strömung im Netz zur Ruhe gekommen ist.
Schritt 2: Ventil öffnen
Haltet den Auffangbehälter unter das Entlüftungsventil (in der Regel am gegenüberliegenden Ende des Heizkörpers vom Thermostatventil). Achtet darauf, dass die Ventilöffnung nach unten in Richtung des Behälters zeigt. Öffnet das Ventil langsam und vorsichtig mit dem Entlüftungsschlüssel. Öffnet es dabei nicht vollständig, sondern nur so weit, bis ihr ein Zischen hört und die Luft entweichen kann.
Schritt 3: Ventil schließen
Lässt das Zischen nach und läuft Wasser aus dem Entlüftungsventil, habt ihr den Heizkörper erfolgreich entlüftet. Schließt das Ventil, wischt es mit dem Lappen trocken und fahrt mit dem nächsten Heizkörper fort.
Schritt 4: Druck prüfen
Kontrolliert zum Abschluss noch einmal das Manometer und ergänzt bei Bedarf über die Nachfüllstation, wie weiter oben beschrieben. Habt ihr die Umwälzpumpe abgeschaltet, könnt ihr sie jetzt wieder einschalten.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte ich meine Heizung entlüften?
In der Regel reicht einmal jährlich, kurz vor Beginn der Heizperiode, zusammen mit der Druckprüfung und dem Nachfüllen der Heizungsanlage. Dass im Winter noch einmal einzelne Heizkörper entlüftet werden müssen, kommt je nach Alter und Zustand der Anlage vor. Häufiger Bedarf deutet dagegen auf eine Undichtigkeit im Heizungsnetz oder defekte Bauteile hin.
Woran erkenne ich, dass Luft in meiner Heizung ist?
Typische Anzeichen sind gluckernde oder plätschernde Geräusche im Heizkörper sowie Heizkörper, die oben kalt und unten warm bleiben oder nur zur Hälfte warm werden.
Darf ich meine Heizungsanlage selbst mit Wasser befüllen?
Ja, nach Rücksprache mit eurer Fachfirma und über eine geeignete Sicherungsarmatur wie eine Heizwassernachfüllstation. Ein einfacher Wasserschlauch am Wasserhahn ist nicht zulässig, da darüber verunreinigtes Heizungswasser in das Trinkwassernetz gelangen kann.
Was ist ein Schnüffelstück?
Umgangssprachlich ist damit meist ein selbsttätiges Entlüftungsventil gemeint. Der Begriff bezeichnet nach einigen Quellen jedoch ein Ventil, das bei Unterdruck Luft in ein System einströmen lässt. Ich verwende daher lieber den Ausdruck selbsttätiges Entlüftungsventil.
Welchen Druck sollte meine Heizungsanlage haben?
Das hängt von der Gebäudehöhe und eurer Anlage ab, den konkreten Wert muss euch eure Fachfirma nennen. Zur groben Orientierung: In Einfamilienhäusern liegt der Betriebsdruck meist zwischen 1,0 und 2,0 bar.
Fazit
Ihr habt nun gesehen, wie ihr eure Heizungsanlage nachfüllen und eure Heizkörper entlüften könnt. Beides gehört zusammen und sollte auch zusammen durchgeführt werden, am besten einmal jährlich vor Beginn der Heizperiode.
Wichtig ist mir dabei vorrangig der Punkt zur Befüllung: Der gelbe Wasserschlauch am Wasserhahn ist in vielen Heizungskellern noch immer Realität und er gehört dort nicht hin. Die Kosten für eine Heizwassernachfüllstation sind überschaubar und diese schützt euer Trinkwasser.
Der zweite Punkt betrifft die Häufigkeit. Wenn ihr mehrmals pro Heizperiode eure Heizung entlüften und nachfüllen müsst, behandelt ihr ein Symptom und keine Ursache. Dann solltet ihr eure Anlage auf Undichtigkeiten sowie defekte Bauteile prüfen lassen (etwa das Ausdehnungsgefäß).
Eine entlüftete und korrekt befüllte Anlage ist übrigens die Grundvoraussetzung dafür, dass ein hydraulischer Abgleich zuverlässig funktioniert, denn Wasser ist unser Energieträger im Heizungsnetz. Das bedeutet: Ohne ausreichend Wasser kann auch nicht ausreichend Wärme im Gebäude verteilt werden. Wenn ihr ohnehin an der Heizung arbeitet, könnt ihr direkt weiterdenken. Mehr dazu findet ihr in meinem Beitrag „Was ist ein hydraulischer Abgleich?„.
Ich hoffe, dieser Beitrag hat euch weitergeholfen. Falls ihr Fragen, Anregungen oder Kritik habt, nutzt die Kommentarfunktion.
Viele Grüße! Martin
Weiterführende Links und Quellen:
- DIN EN 1717: Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen
- IKZ – Mischen verboten, trennen ist Pflicht
- SBZ – DIN EN 1717: So wird Trinkwasser gegen Verunreinigungen geschützt
- Bayrisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz – Heizung entlüften
- Schlobach, Martin: „Haustechnik für Dummies“, Wiley-VCH, 2023
Titelbild: erstellt mit Midjourney AI








Hinweis zu Auslegungsfragen: Fragen zum Verständnis beantworte ich hier gern. Objektbezogene Auslegungen mit deinen konkreten Zahlen prüfe ich im Rahmen einer Beratung, das lässt sich in einem Kommentar nicht seriös leisten.