Berechnung von alten Heizkörpern im Bestand

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In diesem Artikel zeige ich euch wie ihr die Leistung bestehender und alter Heizkörper berechnen könnt. Dieser Artikel baut auf Schritt 4: Berechnen der Heizkörperleistung der Serie „Hydraulischen Abgleich selber machen“ auf. Als Berechnungsgrundlage dient der Bericht von DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger).

Beispielrechnungen von alten Heizkörpern im Bestand

Wichtig: Der Umrechnungsfaktor für die Heizkörpernormleistung basiert auf der Systemtemperatur 75/55/22 und beträgt 0,847.

Wie ihr den Umrechnungsfaktor der Heizkörpernormleistung für eure Systemtemperatur berechnen könnt, steht im folgenden Artikel unter: Umrechnungsfaktor für Heizkörpernormleistung ermitteln.

Berechnung eines Flachheizkörpers

Beispielrechnung für Flachheizkörper mit folgenden Maßen:

Zunächst gehen wir in den Bericht von DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger) und suchen nach der Tabelle mit den Normwärmeleistungen für senkrecht profilierte Flachheizkörper. Diese befindet sich in unserem Beispiel auf Seite 6 – Tafel 2-1 (siehe Abbildung 1).

Beispeilrechnung Flachheizkörper, Quelle der Tabelle: DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)

Abbildung 1: Beispielrechnung Flachheizkörper, Quelle der Tabelle: DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)

Wenn wir den Daten in Abbildung 1 folgen, ergeben sich eine Heizleistung von 1461W/m und ein Heizkörperexponent von 1,29.

Die Normwärmeleistung bezieht sich auf Watt pro Meter [W/m], sodass wir die Heizkörperbreite B[m] von 1,2 m bei der Berechnung berücksichtigen müssen. Es ergibt sich daraus folgende Formel:

    \[ \boxed{\dot Q_{Betrieb}=\dot Q_{Norm} \cdot0,847^n \cdot B} \]

    \[ \boxed{\dot Q_{Betrieb}=1461W/m \cdot 0,847^{1,29} \cdot 1,2m=\underline{\underline{1415W}}} \]

Der Flachheizkörper hat bei der Systemtemperatur 75/55/22 eine Leistung von 1415W.

Berechnung eines Gliederheizkörpers

Beispielrechnung für Gliederheizkörper mit folgenden Maßen:

  • Heizkörpertyp: Gussradiator
  • Heizmedium: Wasser
  • Tiefe: 110 mm
  • Höhe: 580 mm
  • Gliederanzahl: 15

Zunächst gehen wir in den Bericht von DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger) und suchen nach der Tabelle mit den Normwärmeleistungen für Gussradiatoren. Diese befindet sich in unserem Beispiel auf Seite 8 – Tafel 3-1 (siehe Abbildung 2).

Beispeilrechnung Gliederheizkörper, Quelle der Tabelle: DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)

Abbildung 2: Beispielrechnung Gliederheizkörper, Quelle der Tabelle: DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)

Wenn wir den Daten in Abbildung 2 folgen, ergeben sich eine Heizleistung von 69W/{Glied} und ein Heizkörperexponent von 1,3.

Die Normwärmeleistung bezieht sich auf Watt pro Glied [W/{Glied}], sodass wir die Anzahl der Glieder n_{Glied} von 15 bei der Berechnung berücksichtigen müssen. Es ergibt sich daraus folgende Formel:

    \[ \boxed{\dot Q_{Betrieb}=\dot Q_{Norm} \cdot0,847^n \cdot n_{Glied}} \]

    \[ \boxed{\dot Q_{Betrieb}=69W/{Glied} \cdot 0,847^{1,3} \cdot 15=\underline{\underline{834W}}} \]

Der Gliederheizkörper hat bei der Systemtemperatur 75/55/22 eine Leistung von 834W.

Berechnung eines Rohrradiators

Beispielrechnung für einen Rohrradiator mit folgenden Maßen:

  • Heizkörpertyp: Stahlrohrradiator
  • Tiefe: 105 mm
  • Höhe: 300 mm
  • Gliederanzahl: 18
  • Rohre pro Glied: 3

Zunächst gehen wir in den Bericht von DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger) und suchen nach der Tabelle mit den Normwärmeleistungen für Stahlradiatoren. Diese befindet sich in unserem Beispiel auf Seite 9 – Tafel 4-1 (siehe Abbildung 3).

Beispielrechnung Rohrradiatoren, Quelle der Tabelle: DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)

Abbildung 3: Beispielrechnung Rohrradiatoren, Quelle der Tabelle: DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)

Wenn wir den Daten in Abbildung 3 folgen, ergeben sich eine Heizleistung von 31W/{Glied} und ein Heizkörperexponent von 1,3 (befindet sich am Ende der Tabelle).

Die Normwärmeleistung bezieht sich auf Watt pro Glied [W/{Glied}], sodass wir die Anzahl der Glieder n_{Glied} von 18 bei der Berechnung berücksichtigen müssen. Es ergibt sich daraus folgende Formel:

    \[ \boxed{\dot Q_{Betrieb}=\dot Q_{Norm} \cdot0,847^n \cdot n_{Glied}} \]

    \[ \boxed{\dot Q_{Betrieb}=31W/{Glied} \cdot 0,847^{1,3} \cdot 18=\underline{\underline{450W}}} \]

Der Stahlrohrradiator hat bei der Systemtemperatur 75/55/22 eine Leistung von 450W.

Berechnung eines Konvektors

Beispielrechnung für einen Konvektor mit folgenden Maßen:

  • Heizkörpertyp: Standardkonvektor
  • Tiefe: 134 mm
  • Höhe: 210 mm
  • Breite: 1300 mm
  • Rohrreihen: 3
  • Im Bodenkanal mit Gitterabdeckung

Zunächst gehen wir in den Bericht von DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger) und suchen nach der Tabelle mit den Normwärmeleistungen für Konvektoren. Diese befindet sich in unserem Beispiel auf Seite 16 – Tafel 6-1 (siehe Abbildung 4).

Beispielrechnung Konvektor, Quelle der Tabelle: DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)

Abbildung 4: Beispielrechnung Konvektor, Quelle der Tabelle: DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)

Wenn wir den Daten in Abbildung 4 folgen, ergeben sich eine Heizleistung von 1195W/m, ein Heizkörperexponent von 1,35 sowie der Hinweis einer Reduzierung der Heizleistung um 35\% bei Anordnung im Bodenkanal mit Gitterabdeckung.

Die Normwärmeleistung bezieht sich auf Watt pro Meter [W/m], sodass wir die Heizkörperbreite B[m] von 1,3 m bei der Berechnung berücksichtigen müssen. Weiterhin müssen wir eine Leistungsminderung von 35\% in Kauf nehmen. Es ergibt sich daraus folgende Formel:

    \[ \boxed{\dot Q_{Betrieb}=\dot Q_{Norm} \cdot0,847^n \cdot B \cdot (1-0,35) } \]

    \[ \boxed{\dot Q_{Betrieb}=1195W/m \cdot 0,847^{1,35} \cdot 1,3m \cdot 0,65 =\underline{\underline{807W}}} \]

Der Konvektor hat bei der Systemtemperatur 75/55/22 im Bodenkanal mit Gitterabdeckung eine Leistung von 807W.

Berechnung der Fußbodenheizung

Wenn keine Daten zur Leistungsermittlung einer Fußbodenhzeigung vorhanden sind, können wir die Heizleistung über die Raumlast ermitteln. Diese Vorgehensweise wird vom Bundesverband Flächenheizung und Flächenkühlung e.V. (BVF) vorgeschlagen. Diese Empfehlung stammt aus dem Leitfaden für den überschlägigen hydraulischen Abgleich von bestehenden Fußbodenheizungen des BVF.

Demzufolge brauchen wir nur die Heizlast eines Raumes ermitteln und haben gleichzeitig die Leistung der Fußbodenheizung berechnet. Wie ihr die Heizlast berechnen könnt, erfahrt ihr in meinem Beitrag zur Heizlastberechnung.

Falls ihr Fragen, Anregungen oder Kritik habt, nutzt die Kommentarfunktion.

Übersicht zur Serie “Hydraulischen Abgleich selber machen”:

Zugehörige Beiträge außerhalb der Beispielserie:

WICHTIG: Bevor ihr mit der Durchführung des hydraulischen Abgleichs beginnt, weise ich euch darauf hin, dass die hier geschilderten Arbeitsweisen auf meinen persönlichen Erfahrungen und  Gedankengängen basieren. Das Ausprobieren und das Implementieren der beschriebenen Vorgehensweisen erfolgt ausschließlich auf eigene Verantwortung und Gefahr. Ich übernehme keine Verantwortung. Weiterhin empfehle ich euch die berechneten Werte immer von einem Fachhandwerker oder einem Ingenieurbüro prüfen zu lassen. Denn auch wenn der hier beschriebene Weg einfach erscheint, können sich immer wieder Rechenfehler einschleichen.

Wenn ihr keinen Fachbetrieb in eurer Nähe kennt, könnt ihr unter dem folgenden Link kostenlos und unverbindlich bis zu 5 Angebote von Fachfirmen aus eurer Region anfordern: Heizungsfachbetriebe finden.

Alternativ gibt es eine große Auswahl an qualifizierten Handwerker- und Fachbetrieben bei MyHammer:

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Liebe Grüße! Euer Martin

Weiterführend Links und Quellen:
DeltaQ – Heizflächenarten (Recknagel Sprenger)
Leitfaden für den überschlägigen hydraulischen Abgleich von bestehenden Fußbodenheizungen


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17 Kommentare/Fügen deinen eigenen Kommentar hinzu

  1. Andreas / Antworten ¬

    Hallo Martin,

    vielen Dank für diese tolle, und verständliche Reihe zum hydraulischen Abgleich. Bei uns in Hannover wird der hydr. Abgleich sogar finanziell gefördert. leider betrifft das nicht die Region drumherum, dabei ist er so Elementar. Ich teile den Beitrag auf jeden Fall auf meinem neuen Energieblog. Super genacht. weiter so! Andreas

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Andreas,
      es freut mich riesig, dass dir mein geschriebenes gefällt. Viel Erfolg für deinen neuen Blog!
      Liebe Grüße! Martin

  2. Cheng / Antworten ¬

    Hallo Martin,

    Vielen Dank für solchen detaillierten Bericht! Wir machen gleich Hydraulisch Abgleich, viel von deinem Schreiben gelernt!

    Cheng

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Cheng,

      sehr gerne! Ich wünsche dir viel Spaß bei der Durchführung des hydraulischen Abgleichs.

      Liebe Grüße! Martin

  3. Götz / Antworten ¬

    Hallo Martin,

    sehr gute Übersicht über die Heizleistungen von Heizkörpern im Bestand. Ich habe gerade 2 Abrechnungen zur Prüfung vorliegen, in denen die von techem Heizleistungen offensichtlich nicht stimmen.
    Danke für die Info.

    Götz

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Götz,

      vielen Dank für deinen Kommentar und die positive Rückmeldung. Ich hoffe du hattest Erfolg mit der Prüfung deiner techem Abrechnungen.

      Liebe Grüße
      Martin

  4. Remo / Antworten ¬

    Grüezi

    Alte Heizkörper:

    Ein Nachbar hat einen massiven Gliederheizkörper ausgebaut, er saniert das ganze Haus.

    Was ich überlege, ist diesen zu nehmen und bei mir einzubauen.

    Es heißt, daß die gußeisernen alten Gliederradiatioren besser heizen / Wärme speichern als alles neue Zeugs?

    Stimmt das?

    Danke vielmals für die Hilfe!

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Remo,
      wenn der alte Heizkörper funktionstüchtig und in einem guten Zustand ist, spricht in der Regel nichts dagegen diesen weiter zu verwenden. Pauschal kann man jedoch nicht sagen, dass ein Heizkörpertyp besser bzw. schlechter ist als ein anderer.

      Liebe Grüße! Martin

  5. Robert / Antworten ¬

    Wir hatten einen Gliederheizkörper – aber keinen Gussradiator, sondern einen aus Stahl. Gelten da die gleichen Zahlen? WIe kann ich das auf 70/55/20 umrechnen? Es geht darum, daß dieser gegen einen Kompaktheizkörper Typ 33 ausgetauscht wurde und nun für die Heizkostenabrechung der Umrechnungsfaktor, mit dem jeder HK bewertet wird, angepaßt werden muß. Von diesem Kompaktheizkörper habe ich nur Daten für 70/55 und weniger.

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Robert,
      in der Liste zu Heizflächenarten von Delta Q findest du auf Seite 8 zwei Tabellen: eine Tabelle für Gussradiatoren und eine Tabelle für Stahlradiatoren. Darin sind die jeweiligen Normwärmeleistungen der Heizkörper in Watt pro Glied angegeben. Die Umrechnung der Heizkörpernormleistung auf eine andere Systemtemperatur findest du in meinem Beitrag „Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 4: Berechnen der Heizkörperleistung“ Ich hoffe das hilft dir etwas weiter.
      Liebe Grüße. Martin

  6. Rosita / Antworten ¬

    Sehr geehrter, lieber Herr Schlobach,
    ich hatte Ihnen gestern per eMail von meinem Problem bezüglich der Berechnung meiner Heizkörper zugesandt und noch am selben Tag eine Nachricht von Ihnen erhalten. Vielen herzlichen Dank für Ihre prompte und vor allem sehr kompetente Antwort. Sie haben mir damit sehr weitergeholfen!
    In der heutigen Zeit ist es leider äußerst selten geworden, auf so fachmännische aber dennoch uneigennützige und hilfsbereite Mitmenschen zu stoßen. Umso mehr habe ich mich sehr gefreut, auf Ihre Website gestoßen zu sein und Sie hierdurch kennengelernt zu haben.
    Vielen Dank nochmals und schönes Wochenende
    Liebe Grüße, Rosita Denkler

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Frau Denkler, nochmals vielen Dank für das positive Feedback auch von dieser Seite. Es freut mich sehr, dass ich ihnen weiterhelfen konnte.
      Liebe Grüße! Martin Schlobach

  7. Stefanie Frieser / Antworten ¬

    Lieber Herr Schlobach wir bauen gerade um und stehen vor einem größeren Problem das Haus dass wir vor circa 18 Jahren gekauft haben, hat Konvektoren aus dem Jahr 1974 auf einer Länge von 8 m in dem Raum mit 60 qm den wir umbauen möchten. Leider lässt sich die Heizleistung nicht mehr nachvollziehen. Wir würden diese Konvektoren gerne weiter verwenden da sie an die Zentralheizung angeschlossen sind. Nun meine Frage wie viele Heizkörper müssten wir zusätzlich noch montieren um den Raum, der als Wellnessbereich genutzt werden soll, schön warm zu bekommen?
    vIelen Dank für Ihre Hilfe im Voraus
    hErzliche Grüße Stefanie Frieser

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Frau Frieser,

      das ist nicht ganz so einfach zu erklären. Zunächst müsste die benötigte Wärmeleistung des Raumes für die gewünschte Raumtemperatur ermittelt werden. Dazu gibt es eine vereinfachte Methode (siehe Heizlastberechnung nach Baualtersklasse), welche für einen einzelnen Raum jedoch sehr ungenau sein wird und zudem nicht für ihre gewünschte Raumtemperatur im Wellnessbereich geeignet ist.

      Anschließend könnte man die Leistung des vorhandenen Heizkörpers überschlägig mit der Berechnung in Punkt „1.4 Berechnen eines Konvektors“ berechnen. Die Leistungsangaben sind hier in Watt pro Meter angegeben, sodass sie die ermittelte Heizkörperleistung in W/m mit 8 multiplizieren können, um ein Ergebnis zu erhalten. Die anschließende Differenz der Heizkörperleistung zur Raumheizlast, ist die Leistung, die durch weitere Heizkörper ausgeglichen werden muss. Da Sie jedoch in einem Wellnessbereich eine höhere Temperatur von beispielsweise 28 °C erhalten möchten, müssen Sie nun die ermittelte Heizkörpernormleistung auf die gewünschte Rauminnentemperatur ihres Wellnesbereiches anpassen. Dies erfolgt durch den Umrechnungsfaktor der Heizkörpernormleistung. Falls Sie sich dies nicht zutrauen, empfehle ich Ihnen hier klar den Rat einer Fachfirma einzuholen. Falls Sie keine zur Hand haben, können Sie hier eine Fachfirma finden.

      Liebe Grüße, Martin Schlobach.

  8. Lukas / Antworten ¬

    Hallo,
    danke für diesen Tollen Artikel er mir noch einmal sehr weitergeholfen weiter so!
    MFG Lukas

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Lukas, sehr gerne 🙂
      Liebe Grüße, Martin.

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