Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 2: Heizlastberechnung

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Im zweiten Schritt der Serie „Hydraulischen Abgleich selber machen“ werden wir die Heizlast für das Gebäude und die jeweiligen Räume berechnen. Wie so oft gibt es dabei mehrere Möglichkeiten zur Bestimmung der Raumheizlast. Ich werde euch dazu drei vereinfachte Rechenverfahren vorstellen, welche für die Ermittlung der Heizlast in Bestandsgebäuden Anwendung finden:

Vorbereitung zur Heizlastberechnung

Bevor wir mit der Ermittlung der Heizlast beginnen, stellen wir die Gebäudedaten zusammen, schauen uns die Grundrisse des Gebäudes an und erstellen eine Raumliste. Bei der Betrachtung der Grundrisse für das Beispielgebäude fiel auf, dass es im Zuge der Sanierung viele Umbauten gab. Die Raumflächen sind daher in diesem Beispiel teilweise geschätzt.

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Gebäudedaten

Gegeben:

  • Einfamilienhaus,
  • Baujahr 1935,
  • saniert 2005 (Fassade, Dach, Fenster, Heizung)

Klimazone:

  • -14 °C (Normaußentemperatur)
  • Gesamtfläche (beheizt): 99 m² 
  • Raumhöhe mit Decke EG: 2,5 m
  • Raumhöhe mit Decke OG: 2,5 m

Raumliste

Erdgeschoss (EG)

  • Raum 1: Vorraum, 2 Außenwände, 1 Fenster, 1 Außentür, Raumfläche: 6 m²
  • Raum 2: Gäste WC, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumfläche: 1 m²
  • Raum 3: Waschraum, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumfläche: 3,2 m²
  • Raum 4: Küche, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumfläche: 10,2 m²
  • Raum 5: Wohnzimmer, 3 Außenwände, 3 Fenster, 1 Außentür, Raumfläche: 26,5 m²
  • Raum 6: Flur und Treppenhaus, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumfläche: 6,5 m²
Erdgeschoss (EG)

Abbildung 1: Erdgeschoss (EG)

Obergeschoss (OG)

  • Raum 7: Schlafzimmer, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumfläche: 7,9 m²
  • Raum 8: Bad, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumfläche: 5,7 m ²
  • Raum 9: Büro, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumfläche: 13,2 m²
  • Raum 10: Gästezimmer, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumfläche: 8,6 m²
  • Raum 11: Flur und Treppenhaus, 2 Außenwände, 2 Fenster, Raumfläche: 10,2 m²
Oberbeschoss (OG)

Abbildung 2: Obergeschoss (OG)

Mit den vorhandenen Gebäudedaten können wir nun mit der Ermittlung der Heizlast beginnen.

Ermittlung der Heizlast nach DIN EN 12831 mit der Heizlast App von Honeywell

UPDATE 07.04.2017: Da der Datenschieber von Honeywell leider nicht mehr produziert wird, möchte ich euch zeigen, wie ihr mit dem Heizlastkalkulator von Honeywell – einer Smartphone App – die Heizlast überschlägig nach DIN EN 12831 berechnen könnt. Dazu findet ihr hier ein kleines Video und eine schriftliche Anleitung für die App. Die Heizlast App kann kostenlos im Google Playstore für Android und auf Itunes für iOS heruntergeladen werden.

UPDATE: 12. Juni 2017: Danke an Stefan T. für seinen Hinweis: In der App werden nicht die Nettoflächen der Wände eingegeben, sondern die Bruttoflächen. Fenster und Türen werden durch die App von der Bruttofläche abgezogen.

Im Folgenden möchte ich euch anhand eines Beispielraums zeigen, wie ihr die Heizlast per App ermitteln könnt. Zunächst werden in der App ein neues Projekt angelegt und die Projektdaten eingegeben. Abgefragt werden der Projektname, der Bauherr, die Auftragsnummer, die Auslegungstemperatur (Normaußentempratur) und die Temperaturspreizung zwischen Vor- und Rücklauf. Anschließend kann der erste Raum angelegt werden.

Anlegen der Projektdaten in der Heizlast App

Anlegen der Projektdaten in der Heizlast App

Beispielrechnung mit Heizlast App – Raum 1: Vorraum

Die von mir hinterlegten Werte könnt ihr in dieser PDF Datei nachlesen. Im ersten Schritt gebt ihr die Raumdaten an:

  • Raumname: Vorraum
  • Raumhöhe: 2,5 m
  • Raumtemperatur: 20 °C

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Wir beginnen mit dem Luftwechsel des Raumes und haben hier verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Ich habe mich für „normale Raumnutzung, dichte Fenster“ entschieden und die Grundfläche von 6m^2 angegeben. Das Ergebnis sind 86,7W.

Eingabe der Daten für den Raumluftwechsel

Eingabe der Daten für den Raumluftwechsel

Als nächstes habe ich die Fläche für den Boden des Raumes mit 6m^2 angegeben hinterlegt. Es handelt sich hierbei um einen Boden „angrenzend an einen unbeheizten Raum“ welcher dem Aufbau „Holzbalken-/ Stahlbetondecke, geschlossener Luftraum oder Schlackeschüttung, mit Trittschall“ entspricht. Das Ergebnis sind 127,5W.

Eingabe der Daten für den Boden

Eingabe der Daten für den Boden

Die Fläche zur Decke/ Dach kann für den Beispielraum vernachlässigt werden, da diese an einen beheizten Raum angrenzt.

UPDATE: 12. Juni 2017: Danke an Stefan T. für seinen Hinweis: In der App werden nicht die Nettoflächen der Wände eingegeben, sondern die Bruttoflächen. Fenster und Türen werden durch die App von der Bruttofläche abgezogen.

Im nächsten Schritt habe ich die Nettofläche der Außenwand eingegeben. Diese beträgt abzüglich der Fenster- und Türflächen:
(0,38m+2,43m+0,19m+0,38m+2,44m+0,725m) \cdot 2,5m=16,4m^2 Fläche abzüglich Fenster und Tür: 16,4m^2-1,05m^2-1,76m^2=13,6m^2
Für die Außenwand habe ich „Ziegelstein, Kalksandstein, ca. 6 – 10cm Wärmedämmung“ gewählt. Das Ergebnis sind 137,6 W.

Eingabe der Daten für die Außenwände

Eingabe der Daten für die Außenwände

Das Fenster hat eine „Doppelverglasung“ und eine Fläche von 0,9m \cdot 1,17m = 1,05m^2. Das Ergebnis sind: 98,2 W.

Eingabe der Daten für die Fensterfläche.

Eingabe der Daten für die Fensterfläche.

Für die Tür habe ich eine „schwere Holztür“ gewählt, welche eine Fläche von 0,9m \cdot 1,17m = 1,05m^2 besitzt. Das Ergebnis sind 164,6 W.

Eingabe der Daten für die Türfläche.

Eingabe der Daten für die Türfläche.

Heizlast App - Anzeige der Raumheizlast - Vorraum

Heizlast App – Anzeige der Raumheizlast – Vorraum

Addiert man die einzelnen Werte kommen man auf die Raumheizlast \Phi_{HL,i} = 614 W. Daraus ergibt sich für den 6 m² großen Vorraum ein spezifischer Wert von 102,6 W/m² entspricht.

Auch wenn dieser Wert auf den ersten Blick vergleichsweise hoch erscheint, muss erinnert werden, dass wir mit ca. 50 % einen vergleichsweise hohen Anteil von Außenflächen haben und der Wert somit durchaus plausibel ist.

Zusammenfassung der Raumlasten ermittelt per App:

Erdgeschoss (EG)

  • Raum 1: Vorraum, 2 Außenwände, 1 Fenster, 1 Außentür, Raumlast: 614 W
  • Raum 2: Gäste WC, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumlast: 102 W
  • Raum 3: Waschraum, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumlast: 172 W
  • Raum 4: Küche, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumlast: 539 W
  • Raum 5: Wohnzimmer, 3 Außenwände, 3 Fenster, 1 Außentür, Raumlast: 1882 W
  • Raum 6: Flur und Treppenhaus, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumlast: 371 W

Obergeschoss (OG)

  • Raum 7: Schlafzimmer, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumlast: 728 W
  • Raum 8: Bad, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumlast: 652 W
  • Raum 9: Büro, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumlast: 583W
  • Raum 10: Gästezimmer, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumlast: 781W
  • Raum 11: Flur und Treppenhaus, 2 Außenwände, 2 Fenster, Raumlast: 922 W

Gesamtheizlast

Gesamtheizlast \Phi_{HL} = 7351W

Heizlast App - Anzeige der Gesamtheizlast - Beispielgebäude

Heizlast App – Anzeige der Gesamtheizlast – Beispielgebäude

Mit Hilfe der Heizlast App von Honeywell ist die Summe aller Räume recht einfach zu ermitteln. In der App werden die Raumlasten immer abgerundet, sodass die Gesamtheizlast durch addieren der Einzelwerte 7346 W ergibt.

Im Gesamtergebnis werden jedoch die Kommazahlen berücksichtigt, sodass wir eine Gesamtheizlast \Phi_{HL} von 7351 W haben. Bei einer beheizten Gesamtfläche von 99 m² entspricht dies einem spezifischen Wärmebedarf von 74,25 W/m². Die hinterlegten Daten für das Beispielgebäude könnt ihr in dieser PDF Datei noch einmal nachlesen. 

Ermittlung der Heizlast nach DIN EN 12831 mit dem Datenschieber von Honeywell

Heizlast-Datenschieber von Honeywell

Abbildung 3: Heizlast-Datenschieber von Honeywell

Der Heizlast-Datenschieber von Honeywell (Abbildung 3) wurde für die vereinfachte Ermittlung der Heizlast in Bestandsgebäuden entwickelt. Er basiert auf den Vorgaben der DIN EN 12831 und einem vereinfachten Rechenverfahren, welches an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften entwickelt wurde.

Herr Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff begleitete mit seinen Mitarbeitern die Entwicklung des Heizlast-Datenschiebers, welcher kostenlos bei Honeywell bezogen werden kann. Inhalt des Paketes sind der Datenschieber, eine Anleitung, ein Stift zum Einstellen der Werte (siehe Abbildung 4) sowie eine Tabelle zum Eintragen der Werte.

Arbeiten mit dem Heizlast-Datenschieber

Abbildung 4: Arbeiten mit dem Heizlast-Datenschieber

Mit Hilfe des Datenschiebers zeige ich folgend, wie man die Heizlast eines Raumes berechnen kann. Die Skala gibt dabei jeweils den Bereich des Rechenschiebers an, aus dem die Heizlast ermittelt wird. Die Übersicht der weiteren Berechnungen ist in dem ausgefüllten Datenblatt (Abbildung 5) zu sehen.

Beispielrechnung Raum 1: Vorraum

  • Luftwechsel: normale Raumnutzung, dichte Fenster Fläche: 6m^2Skala 3 = 110 W
  • Tür: an Außenluft, schwere Tür Fläche: 0,9m \cdot 1,96m = 1,76m^2Skala 6a = 110 W
  • Fenster: an Außenluft, doppeltes Wärmeschutzglas Fläche: 0,9m \cdot 1,17m = 1,05m^2Skala 7a = 100 W
  • Boden: an unbeheiztem Keller, Stahlbeton mit Trittschall und Estrich Fläche: 6m^2Skala 10b = 110 W
  • Wand: an Außenluft, Außenwand mit 6…12 cm dicken Dämmschichten Fläche: (0,38m+2,43m+0,19m+0,38m+2,44m+0,725m) \cdot 2,5m=16,4m^2 Fläche abzüglich Fenster und Tür: 16,4m^2-1,05m^2-1,76m^2=13,6m^2Skala 11a = 200 W

Raumheizlast \Phi_{HL,i} = 630 W Daraus ergibt sich für den 6 m² großen Vorraum eine Raumlast von 630 W, was einem spezifischen Wert von 105 W/m² entspricht.

Dieser Wert erscheint für einen sanierten Altbau auf den ersten Blick ziemlich hoch. Es muss jedoch gesagt werden, dass wir einerseits einen großen Anteil an Flächen mit direktem Kontakt zur Außenluft haben (ca. 50 %) und andererseits der Heizlast-Datenschieber für kleine Flächen etwas ungenau ist.

Dennoch ist die Ermittlung der Heizlast mit dem Datenschieber eine echte Alternative zum Schätzen nach BaualtersklassenDie weiteren Raumlasten für das Gebäude sind in Abbildung 5 dargestellt.

Heizlastberechnung mit Honeywell Datenschieber

Abbildung 5: Heizlastberechnung mit Honeywell Datenschieber

Zusammenfassung der Raumlasten ermittelt per Datenschieber:

Erdgeschoss (EG)

  • Raum 1: Vorraum, 2 Außenwände, 1 Fenster, 1 Außentür, Raumlast: 630 W
  • Raum 2: Gäste WC, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumlast: 90 W
  • Raum 3: Waschraum, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumlast: 130 W
  • Raum 4: Küche, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumlast: 610 W
  • Raum 5: Wohnzimmer, 3 Außenwände, 3 Fenster, 1 Außentür, Raumlast: 1830 W
  • Raum 6: Flur und Treppenhaus, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumlast: 380 W

Obergeschoss (OG)

  • Raum 7: Schlafzimmer, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumlast: 550 W
  • Raum 8: Bad, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumlast: 410 W
  • Raum 9: Büro, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumlast: 990 W
  • Raum 10: Gästezimmer, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumlast: 670 W
  • Raum 11: Flur und Treppenhaus, 2 Außenwände, 2 Fenster, Raumlast: 680 W

Gesamtheizlast

Gesamtheizlast \Phi_{HL} = 6970 W

Mit Hilfe des Datenschiebers von Honeywell war es nun relativ einfach die Heizlast der einzelnen Räume zu ermitteln. Die Summe aller Raumlasten ergibt eine Gesamtheizlast \Phi_{HL} von 6970 W, was bei einer beheizten Gesamtfläche von 99 m² einen spezifischen Wärmebedarf von 70,40 W/m² entspricht.

Ermittlung der Heizlast über die energetischen Klassen von Gebäuden

Die zweite Möglichkeit zur Ermittlung der Raumheizlast erfolgt über den spezifischen Wärmebedarf nach energetischer Gebäudeklasse (siehe DeltaQ – Energetische Klassen von Gebäuden). Diese staffeln sich wie folgt:

  • 130 – >200 W/m² Gebäude ohne Wärmeschutz von vor 1977
  • 70 – 130 W/m² Gebäude nach Wärmeschutzverordnung von 1977
  • 60 – 100 W/m² Gebäude nach Wärmeschutzverordnung von 1982
  • 40 – 60 W/m² Gebäude nach Wärmeschutzverordnung von 1995
  • 30 – 50 W/m² Gebäude nach EnEV 2002
  • 25 – 40 W/m² Niedrigenergiehaus
  • 15 – 30 W/m² Ultra–Niedrigenergiehaus (Drei-Liter-Haus)

Die Gebäudeklassen können auch wie nachfolgend dargestellt weiter vereinfacht werden:

  • 120 W/m² Altbau, ohne besondere Wärmedämmung
  • 60 – 100 W/m² Gebäude mit normaler Wärmedämmung
  • 40 – 60 W/m² Neubau nach Wärmeschutzverordnung 1995
  • 30 – 50 W/m² Neubau nach Wärmeschutz/ EnEV 2002

Ermittlung des spezifischen Wärmebedarfs Q_{spez.}

Das Beispielgebäude wurde 1935 erbaut und 2005 saniert. Dabei wurden die Fassade und das Dach gedämmt, es wurden neue Fenster eingebaut und die Heizungsanlage wurde erneuert. Auch wenn das Gebäude 2005 energetisch saniert wurde, sind weiterhin erhöhte Wärmeverluste über die nicht energetisch sanierten Bereiche wie Keller und Türen zu verzeichnen.

Um den spezifischen Wärmebedarf für einen sanierten Altbau abschätzen zu können, bedarf es etwas Erfahrung. Daher sollte bei Unsicherheit der Rat eines Fachhandwerkers oder eines Fachingenieurs herangezogen werden. Meine Annahme für das Beispielgebäude ist ein spezifischer Wärmebedarf von Q_{spez.}=60 - 80 W/m^2. Räume mit einem großen Anteil an Außenbauteilen werden dabei schlechter bewertet als Räume mit einem geringen Anteil an Außenbauteilen.

Mit der genannten Annahme von Q_{spez.}=60 - 80 W/m^2 ergeben sich folgende spezifische Raumheizlasten:

Erdgeschoss (EG)

  • Raum 1: Vorraum, 2 Außenwände, 1 Fenster, 1 Außentür, Raumfläche: 6 m²  spezifische Raumheizlast: 6m^2 \cdot 80 W/m^2 = 480 W
  • Raum 2: Gäste WC, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumfläche: 1 m² spezifische Raumheizlast: 1m^2 \cdot 60 W/m^2 = 60 W
  • Raum 3: Waschraum, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumfläche: 3,2 m² spezifische Raumheizlast: 3,2m^2 \cdot 60 W/m^2 = 192 W
  • Raum 4: Küche, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumfläche: 10,2 m² spezifische Raumheizlast: 10,2m^2 \cdot 60 W/m^2 = 612 W
  • Raum 5: Wohnzimmer, 3 Außenwände, 3 Fenster, 1 Außentür, Raumfläche: 26,5 m² spezifische Raumheizlast: 26,5m^2 \cdot 80 W/m^2 = 2120 W
  • Raum 6: Flur und Treppenhaus, 1 Außenwand, 1 Fenster, Raumfläche: 6,5 m³ spezifische Raumheizlast: 6,5m^2 \cdot 60 W/m^2 = 390 W

Obergeschoss (OG)

  • Raum 7: Schlafzimmer, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumfläche: 7,9 m² spezifische Raumheizlast: 7,9m^2 \cdot 80 W/m^2 = 632 W
  • Raum 8: Bad, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumfläche: 5,7 m² spezifische Raumheizlast: 5,7m^2 \cdot 80 W/m^2 = 456 W
  • Raum 9: Büro, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumfläche: 13,2 m² spezifische Raumheizlast: 13,2m^2 \cdot 80 W/m^2 = 1056 W
  • Raum 10: Gästezimmer, 2 Außenwände, 1 Fenster, Raumfläche: 8,6 m² spezifische Raumheizlast: 8,6m^2 \cdot 80 W/m^2 = 688 W
  • Raum 11: Flur und Treppenhaus, 2 Außenwände, 2 Fenster, Raumfläche: 10,2 m² spezifische Raumheizlast: 10,2m^2 \cdot 60 W/m^2 = 636 W

Gesamtheizlast

spezifische Gesamtheizlast \Phi_{HL,spez.} = 7329 W

Mit der Hilfe von spezifischen Werten ist es uns gelungen die spezifische Heizlast der einzelnen Räume zu ermitteln. Die Summe aller Raumlasten ergibt eine spezifische Gesamtheizlast \Phi_{HL,spez.} von 7329 W, was bei einer beheizten Gesamtfläche von 99 m² einen spezifischen Wärmebedarf von 74,03 W/m² entspricht.

Fazit

Vorangehend wurden drei Möglichkeiten gezeigt, welche die vereinfachte Ermittlung der Heizlast in Bestandsgebäuden zeigen. Interessanterweise liegt die Abweichung der Gesamtheizlasten bei knapp 5 %. Schauen wir uns jedoch die Raumheizlasten der einzelnen Räume genauer an, ergeben sich Abweichungen von bis zu 30 % (z.Bsp.: Raum 1: Vorraum – 630 W zu 480 W). Diese raumweisen Abweichungen werden in allen Verfahren über alle Räume ausgeglichen, sodass die Gesamtheizlasten am Ende nur eine geringe Abweichung aufweisen. Da wir jedoch versuchen eine Heizungsanlage zu optimieren, sind die einzelnen Raumheizlasten zum Vergleich mit den vorhandenen Bestandsheizkörpern relativ wichtig.

Aus meiner Sicht ist daher die Heizlastermittlung mit der Heizlast App bzw. dem Heizlast-Datenschieber von Honeywell dem Rechnen mit spezifischen Werten vorzuziehen.

Anfangs ist zwar ein geringerer Mehraufwand für die Datenaufnahme nötig, dieser kann sich jedoch im Nachhinein als Zeitvorteil herausstellen. In den nächsten Schritten der Serie „Hydraulischen Abgleich selber machen“ werde ich die Raumheizlasten aus der Ermittlung mit dem Datenschieber von Honeywell nutzen, da ich die Funktion der App erst zu einem späteren Zeitpunkt erklärt habe.

Mit den nun gewonnenen Daten ist es uns möglich den nächsten Schritt des hydraulischen Abgleichs anzugehen und mit der Datenaufnahme der Heizkörper zu beginnen. Falls ihr Fragen, Anregungen oder Kritik habt, nutzt die Kommentarfunktion. Übersicht zur Serie “Hydraulischen Abgleich selber machen”:

Zugehörige Beiträge außerhalb der Beispielserie:

WICHTIG: Bevor ihr mit der Durchführung des hydraulischen Abgleichs beginnt, weise ich euch darauf hin, dass die hier geschilderten Arbeitsweisen auf meinen persönlichen Erfahrungen und  Gedankengängen basieren. Das Ausprobieren und das Implementieren der beschriebenen Vorgehensweisen erfolgt ausschließlich auf eigene Verantwortung und Gefahr. Ich übernehme keine Verantwortung. Weiterhin empfehle ich euch die berechneten Werte immer von einem Fachhandwerker oder einem Ingenieurbüro prüfen zu lassen. Denn auch wenn der hier beschriebene Weg einfach erscheint, können sich immer wieder Rechenfehler einschleichen.

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Martin Schlobach - Handwerker findenMein Tipp:
Bevor man alles selber macht, lohnt es sich immer zu vergleichen, wie viel ein hydraulischer Abgleich durch Handwerker kosten würde.

Zusätzlich erhältst du nur über einen externen Dienstleister bis zu 30% Förderung vom Staat für den hydraulischen Abgleich mit Pumpenaustausch.

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Liebe Grüße, Martin

Weiterführend Links und Quellen:

Honeywell Heizlastapp – Google Play
Honeywell Heizlastapp – Itunes
Honeywell – Heizlast-Datenschieber
TGA Fachplaner – Heizlast-Datenschieber
DeltaQ – Energetische Klassen von Gebäuden
DeltaQ – Heizlastberechnung
TU Cottbus – Berechnung der Normheizlast nach DIN EN 12831-Grundlagen der Berechnung


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22 Kommentare/Fügen deinen eigenen Kommentar hinzu

  1. Thorsten / Antworten ¬

    Hallo,
    zuerst großes Lob für diese ausführliche Seite – lese mich gerade ein, da ich den hydraulischen Abgleich machen möchte.
    Meiner neu installierten Heizungsanlage und vor allem den pauschal vorgenommenen Einstellungen der Monteure traue ich irgendwie nicht ganz, da keinerlei Daten außer die der vorhandenen Heizkörper aufgenommen wurden.
    Gut, ein Problem bei mir war auch, daß nicht alle Heizkörper mit neuen Thermostaten versehen werden konnten – sondern nur die wichtigsten Räume!
    Aber egal – möchte mir dennoch einen vollständigen Überblick verschaffen und für die Zukunft vorsorgen!

    Weshalb ich aber schreibe…Auszug aus Vorraum Beispiel…
    Wand: an Außenluft, Außenwand mit 6…12 cm dicken Dämmschichten
    Fläche: (0,38m+2,43m+0,19m+0,38m+2,44m+0,725m) \cdot 2,5m=16,4m^2
    >>> der Wert 0,725m müsste meines Erachtens 0,0725m sein – sprich die halbe 14er Wand… 😉

    Gruß Thorsten

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Thorsten,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deinen Hinweis!
      Du hast vollkommen Recht, es muss 0,0725m anstatt 0,725m heißen. Ich werde das in den nächsten Tagen anpassen. Glücklicherweise ändert sich bei der geringen Abweichung die Verlustleistung von 200W nicht.
      Liebe Grüße! Martin

  2. Schaser Siegmund / Antworten ¬

    Bin beeindruckt wie das von Dir erklärt wird , da kann ein Leihe in kürzester Zeit eine Eindruck bekommen und auch viel lernen. Mir hat´s auf jedenfalls sehr geholfen meine Kenntnisse aufzufrischen und dazuzulernen.
    Vielen Dank für Deine außergewöhnliche Mühe.
    Siegmund schaser

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Siegmund,
      vielen Dank für deinen tollen Kommentar. Es freut sehr diese Worte zu lesen und es freut mich, wenn ich dir mit meinen Beiträgen ein wenig weiterhelfen konnte.
      Liebe Grüße! Martin

  3. Norbert Trotzky / Antworten ¬

    Hallo Mrtin
    Also muss sagen du machst hier super Aufklärungsarbeit und muss sagen ich bin sehr zufrieden .
    Hätte da mal noch eine frage machst du auch Wärmeberechnung .
    Würde mich sehr freuen . über deinen kontakt

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Norbert, vielen Dank für deinen Kommentar. Derzeit biete ich jedoch keine Wärmebedarfsrechnung an.
      Liebe Grüße! Martin

  4. Georg / Antworten ¬

    Hallo Martin,
    bin auf deiner Seiten hängengeblieben und wollte dir nur mitteilen, dass es den Datenscheiber nicht mehr gibt. Das kann jetzt eine App.
    Werde mal loslegen und schauen wie weit ich komme. 😉

    Gruß Georg

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Georg, vielen Dank für den Hinweis. Ich werde die Tage mal versuchen die App, oder besser die Desktopanwendung, in diesem Beitrag zu erklären.
      Liebe Grüße, Martin

  5. Matthias / Antworten ¬

    Hallo Martin,

    Kompliment für diese tolle Seite. Ich plane gerade in mein gesamtes Haus neue, voreinstellbare Thermostate (Heimeier eclipse) einzubauen. Für die Berechnung der Voreinstellung steht der o.g. Datenschieber nicht mehr zur Verfügung, es gibt nur noch die Honeywell App. Ich habe versucht damit die 630W Heizlast des Vorraums nachzuvollziehen, was mir nicht gelungen ist. Es wäre wirklich hilfreich wenn Du für diesen Raum auch mal die Berechnung per App hier zeigen würdest.

    Vielen Dank und Grüße,
    Matthias

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hey Matthias,

      vielen Dank! Ja ich werde den Beitrag im November überarbeiten und die App etwas genauer vorstellen. Vielen Dank und noch etwas Geduld.

      Liebe Grüße Martin

  6. Matthias / Antworten ¬

    Hi Martin,

    super, danke schon einmal für die Mühe. Ich warte dann noch etwas mit dem hydr. Abgleich, bis Dein Beitrag fertig ist. Sicher ist der Umgang mit der Honeywell App auch für andere interessant, ich finde die Bedienung nicht gerade selbsterklärend. Wenn ich es richtig deute, sind grundsätzlich nur Flächen relevant, die an unbeheizte Räume oder an Außenluft grenzen.
    Allerdings bin ich mir im Obergeschoss unsicher, wie ich Dachflächen (Schrägen) und Trempel (Kniestock-Flächen) in die Berechnung einfließen lassen muss.

    Gruß Matthias

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Matthias,
      genau es werden nur Flächen an Außenluft und unbeheizte Räume berücksichtigt. Eine Dachschräge wird dann auch wie eine einfache Fläche an einen unbeheizten Raum oder an die Außenluft behandelt. Diese kannst du ja unter dem Punkt „Dach / Decke“ auswählen. Hier gibst du an, ob die Fläche gedämmt ist oder nicht. Dachdrempel sind ja, wenn sie gedämmt sind, meist mit Perlite ausgeblasen oder mit dem Dämmstoff gefüllt, welcher fürs Dach verwendet wurde und entsprechen dann meist dem Dämmwert des restlichen Daches. Ich würde die Dachfläche als eine große Fläche betrachten. Für die Raumhöhe würde ich mit der mittleren Raumhöhe rechnen.
      Ich hoffe ich konnte dir damit etwas weiterhelfen.
      Liebe Grüße, Martin

  7. Andreas / Antworten ¬

    Hallo Martin,

    wie weit ist es denn mit dem Bericht über die App?

    Gruß
    Andreas

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Andreas, der Beitrag hier wurde nun aktualisiert und behandelt jetzt auch die Heizlast App von Honeywell.
      Liebe Grüße, Martin

  8. Joachim / Antworten ¬

    Hallo Martin,

    Toll, dass Du Dies ganze Wissen in verständlicher Form für ’normele‘ Menschen zugänglich machst. Großer Respekt dafür!
    Ich plane die Heizung für ein selbst renoviertes/zu renovierendes Uralthaus, das bis jetzt nur Ofenheizung kennt und möchte möglichst viel von dem Thema verstehen, bevor es anfängt, Geld zu kosten.

    Dass es den Datenschieber nicht mehr gibt, scheint mir nach einem ersten Blick auf die App sehr bedauerlich zu sein. Bei Erfassung von Raumdaten streikt das Programm (die Ipad-Version) plötzlich und lässt keine weiteren Eingaben oder Korrekturen zu oder es beendet sich und alle erfassten Daten sind futsch. Hoffentlich machst Du bessere Erfahrungen damit!
    Lieber einen Rechenschieber als einen Taschenrechner, der nicht funktioniert, würde ich sagen.

    Vielen Dank schon mal für Deine Blog und weiter alles Gute,

    Joachim

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Joachim, ich habe mir auch deinen Kommentar zu Herzen genommen und die Heizlast App von Honeywell getestet. Bei meiner Android Version hat zum Glück alles funktioniert. Meine Erfahrung damit findest du hier in diesem Beitrag. Ich hoffe, dass die IPad Version in Zukunft stabil läuft.
      Liebe Grüße, Martin

  9. Pilar / Antworten ¬

    Hallo Martin,
    im Rahmen meines Fernstudiums MBA Energie und Umweltmanagement muss ich eine Arbeit über Transformation von Energie schreiben.

    Ich komme aus dem VWL-Bereich und hatte leider gar nicht mit Energieumwandlungsrechnungen oder Physik zu tun. Erst durch meine Arbeit habe ich mich für das Studium interessiert.
    Die Frage lautet:
    Für eine Garage (geringere erforderliche Innentemperatur – etwa 10°C) soll eine energieeffiziente
    Heizung ausgewählt werden. Diese Garage hat eine Größe von ca. 500 m². Nehmen Sie die
    Heizleistung und den erforderlichen Wärmeenergiebedarf für einen neueren Bautyp. Aufgrund
    der vielen Fensterflächen und der großen Ein-/Ausfahrtstore hat dieser Bau eine verhältnismäßig schlechte Energieeffizienz.

    Es wäre mir eine große Hilfe wenn du mir eine guten Himweis geben könntest.
    Vielen Dank

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Pilar, vielen Dank für deinen Kommentar. Wie lautet denn die Frage?
      Liebe Grüße, Martin

  10. Markus M / Antworten ¬

    Wie kann denn das Fenster 98,2w Wärme abgeben?

    2,2*1,05*34K ergeben 78,5W. Habe nicht alle Bilder die der Erklärung dienen nachgeschaut, aber hier ist es mir irgendwie gleich aufgefallen das da was nicht hat stimmen kann

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Markus, die Frage kann ich nicht nachvollziehen. Bitte etwas genauer erklären
      Liebe Grüße, Martin

  11. Stefan T. / Antworten ¬

    Hallo Martin,

    vielen Dank für dein Tutorial in Sachen Honeywell Heizlast-App. Da die App (und der Hersteller) ja kein wirkliches Handbuch zur Verfügung stellen, hilft deine Seite ungemein.

    Über eine Sache bin ich allerdings gestolpert: Du schreibst, dass man in Sachen Außenwand die Nettofläche angeben muss (also bereits um Fenster und Türen reduziert). Bist du dir da sicher? Ich habe bei mir einen Raum, der quasi nur eine Tür als „Außenelement“ hat. Daher wäre ja dann strenggenommen die Außenwand 0qm (Außenfläche minus Türfläche) und danach gebe ich dann die Tür mit 3,63qm an. Dann meckert die App aber, dass die Summe der Fenster/Tür-Flächen nicht größer als die Außenfläche sein darf (bei mir iPhone und iPad, beide melden den gleichen „Fehler“).

    Oder wurde die App da vielleicht nach deinem Beitrag nochmal geändert? Ich meine sogar (habe das iPad gerade nicht zur Hand), dass dort sogar explizit der Begriff „Bruttofläche“ bei der Außenfläche steht.

    Könntest du das bei dir nochmal verifizieren?

    1. Martin Schlobach / Antworten ¬

      Hallo Stefan, vielen Dank für deinen Hinweis! Du hast vollkommen Recht! Es handelt sich bei der App um die Bruttofläche. Ich habe das irgendwie übersehen und werde es anpassen!
      Liebe Grüße, Martin

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