Gebäudetechnik einfach erklärt · Autor von „Haustechnik für Dummies“

Heizkurve einstellen: So senkt ihr die Vorlauftemperatur Schritt für Schritt

von | Aktualisiert am 15.10.2026 | 0 Kommentare

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In meinem heutigen Beitrag zeige ich euch, wie ihr die Heizkurve (oder Heizkennlinie) eurer Heizung so einstellt, dass alle Räume warm bleiben und die Anlage mit der niedrigsten möglichen Vorlauftemperatur betrieben werden kann. Das funktioniert mit einem Gas-Brennwertkessel genauso wie mit einer Wärmepumpe, und ihr benötigt dafür weder eine Berechnung noch spezielles Werkzeug.

Bei der Inbetriebnahme einer Heizungsanlage wird die Heizkurve meist großzügig eingestellt, damit es im Winter garantiert warm ist. Danach wird sie eigentlich nie wieder angefasst. Die Folgen sind höhere Verteilverluste, höhere Energiekosten und ein ineffizienter Betrieb der Wärmeerzeuger. Ein Brennwertkessel kann so beispielsweise nicht in den Kondensatbereich kommen und eine Wärmepumpe hat eine enttäuschende Jahresarbeitszahl.

Was macht die Heizkurve eigentlich?

Die Heizkurve oder Heizkennlinie einer Heizungsanlage ist eine Steuer- und Regelmöglichkeit und sorgt bei richtiger Einstellung für einen effizienten und energiesparenden Betrieb. Die Heizkurve stellt dabei ein Verhältnis zwischen der Außentemperatur und der Vorlauftemperatur im Heizungssystem her. Das funktioniert etwa so:

  • Bei sinkenden Außentemperaturen steigt die Vorlauftemperatur
  • bei steigenden Außentemperaturen sinkt die Vorlauftemperatur.

Somit wird Energie gespart und dem Gebäude wird bei unterschiedlichen Außentemperaturen nur so viel Wärme zur Verfügung gestellt, wie notwendig ist. Um die Heizkurve einstellen zu können, benötigt ihr eine witterungsgeführte Regelung.

Dafür besitzt die Heizung einen Außentemperaturfühler, was bei den meisten Anlagen der Fall ist. Der Fühler übergibt die Außentemperatur als Eingangsgröße an die Heizungsregelung, welche sie verarbeitet und eine angestrebte Vorlauftemperatur als Sollwert ausgibt. Je kälter es draußen ist, desto höher fällt die Vorlauftemperatur aus.

Beitragsempfehlung: Der Unterschied zwischen Steuerung und Regelung

Neigung, Niveau und Raumtemperatur-Sollwert: Was bewirkt welche Einstellung?

Für die Einstellung der Heizkurve stehen euch an der Regelung drei Stellgrößen zur Verfügung. Je nach Hersteller tragen sie unterschiedliche Namen, so können Neigung und Niveau auch Steilheit und Parallelverschiebung heißen. In Abbildung 1 ist dargestellt, wie sich die drei Stellgrößen auf die Heizkurve auswirken.

Bereiche einer Heizkurve: Neigung, Niveau, Raumtemperatur-Sollwert
Abbildung 1: Bereiche einer Heizkurve: Neigung, Niveau, Raumtemperatur-Sollwert – Quelle: Martin Schlobach, Haustechnik für Dummies, Wiley-VCH (2023). Mit Genehmigung.
  • Neigung (Steilheit): Über die Neigung legt ihr fest, wie stark die Vorlauftemperatur ansteigt, wenn es draußen kälter wird. Im linken Teil von Abbildung 1 fordert die steile Kennlinie bereits bei gut 13 °C Außentemperatur rund 55 °C an (typisch für unsanierte Altbauten mit hohen Wärmeverlusten), während die flache Kennlinie noch unter 30 °C bleibt (typisch für gut gedämmte Neubauten und Heizsysteme mit niedrigen Vorlauftemperaturen).
  • Niveau: Das Niveau verschiebt die gesamte Heizkurve parallel nach oben oder unten. Bezugsgröße ist die Referenz-Außentemperatur (in der Praxis meist +20 °C). Die Standardeinstellung ist in der Regel 0 Kelvin (0 K), dabei startet der Fußpunkt der Kurve bei +20 °C Außentemperatur. Stellt ihr das Niveau auf +15 K, liegen alle Vorlauftemperaturen der Kurve um 15 K höher, auch am Fußpunkt. Der Fußpunkt liegt dann bei einer Vorlauftemperatur von 35 °C (20 °C + 15 K = 35 °C).
  • Raumtemperatur-Sollwert: Über diese Einstellung könnt ihr den gewünschten Raumtemperatur-Sollwert angeben, was in modernen Regelungen direkt erfolgt. Die Regelung verschiebt die Kurve dann intern entsprechend. In der Regel ist eine Raumtemperatur von 20 °C hinterlegt. Wenn ihr den Sollwert erhöht oder senkt, verschiebt sich die gesamte Kurve parallel. Bei der Nachtabsenkung (etwa 16 °C) erfolgt eine temporäre Parallelverschiebung nach unten.
StellgrößeWirkung auf die KennlinieWann ihr sie ändert
Neigungmacht die Kennlinie steiler oder flacher, Wirkung wächst mit sinkender AußentemperaturRäume bei Frost zu kalt oder zu warm
Niveauganze Kennlinie nach oben oder unten verschobenRäume in der Übergangszeit zu kalt oder zu warm
Raumtemperatur-SollwertVerschiebung der Kennlinie entlang der Raumtemperaturachsegewünschte Raumtemperatur ändert sich
Tabelle 1: Die drei Stellgrößen der Heizkurve im Überblick

Wie lest ihr ein Heizkennliniendiagramm?

Ein Heizkennliniendiagramm findet ihr in der Regel in der Bedienungsanleitung eurer Regelung. In Abbildung 2 ist ein typisches Diagramm mit Neigungen von 0,2 (flach) bis 2,6 (steil) zu sehen. Auf der waagerechten Achse ist die Außentemperatur aufgetragen, nach rechts wird es kälter. Auf der senkrechten Achse lest ihr die Vorlauftemperatur ab. Die schräge Achse unten links steht für den Raumtemperatur-Sollwert, der in diesem Diagramm bei 20 °C liegt.

Abbildung 2: Heizkennliniendiagramm mit Neigungen von 0,2 bis 2,6 bei einem Niveau von 0 K und einem Raumtemperatur-Sollwert von 20 °C. Quelle: Martin Schlobach, Haustechnik für Dummies, Wiley-VCH (2023). Verwendung mit Genehmigung.
Abbildung 2: Heizkennliniendiagramm mit Neigungen von 0,2 bis 2,6 bei einem Niveau von 0 K und einem Raumtemperatur-Sollwert von 20 °C. Quelle: Martin Schlobach, Haustechnik für Dummies, Wiley-VCH (2023). Verwendung mit Genehmigung.

Schauen wir uns gemeinsam die Kennlinie mit der Neigung 1,2 an. Dafür sucht ihr auf der waagerechten Achse die Außentemperatur, beispielsweise −15 °C, geht senkrecht nach oben bis zur Kennlinie 1,2 und von dort waagerecht nach links zur Vorlauftemperatur. Bei −15 °C Außentemperatur fordert die Regelung so rund 65 °C an, bei 5 °C Außentemperatur sind es auf derselben Kennlinie rund 45 °C.

Warum ist die Heizkurve so oft zu hoch eingestellt?

Wenn ich bei Begehungen und in Beratungen frage, wie die Heizkurve eingestellt ist, bekomme ich fast immer dieselbe Antwort: „Keine Ahnung, das hat der Heizungsbauer damals gemacht.“ Dabei lohnt sich für euch ein Blick auf die Werkseinstellung. Viessmann gibt für das Gas-Brennwertgerät Vitodens 300-W beispielsweise eine Werkseinstellung von Neigung 1,4 und Niveau 0 an (Bedienungsanleitung S. 27). In den eigenen Richtwerten ordnet Viessmann eine Neigung von 1,4 bis 1,6 älteren, freistehenden Gebäuden mit Heizkörpern zu, einem gut gedämmten Haus mit Fußbodenheizung hingegen eine Neigung von 0,3 bis 0,5 (siehe Tabelle 3).

Wird die Werkseinstellung bei der Inbetriebnahme nicht angepasst, läuft ein gut gedämmtes Haus somit dauerhaft mit einer Kennlinie, die der Hersteller selbst für einen Altbau vorsieht. Hinzu kommt: Wird ein einzelner Raum nicht warm, liegt es nahe, die gesamte Heizkurve anzuheben. Die Temperatur wird dann aber für das gesamte Gebäude angehoben, nicht nur für ein einzelnes Zimmer. Oft ist ein solcher Raum kein Problem der Heizkurve, sondern der Wärmeverteilung, doch dazu später mehr.

Nach meiner Erfahrung ist eine Vorlauftemperatur von 70 °C oder mehr bei mildem Wetter in fast jedem Einfamilienhaus ein deutliches Zeichen dafür, dass die Heizkurve falsch eingestellt ist.

Das bedeutet: Meldet jemand zu kalte Räume zu bestimmten Tageszeiten oder Wochentagen, prüft zuerst die Zeitprogramme, bevor ihr die Heizkurve anpasst.

Was bringt eine niedrigere Vorlauftemperatur?

Mit sinkender Vorlauftemperatur verringern sich zunächst die Wärmeverluste der Rohrleitungen, beispielsweise in unbeheizten Kellerräumen. Zudem arbeiten Brennwertkessel und Wärmepumpen bei niedrigeren Temperaturen effizienter, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

Effizienz Brennwertkessel: Ein Brennwertkessel nutzt zusätzlich die latente Wärme, die bei der Kondensation des Wasserdampfs im Abgas frei wird. Dafür muss die Rücklauftemperatur des Heizungswassers aber unterhalb des Taupunkts der Abgase liegen, welcher bei Erdgas bei etwa 56 °C liegt. Je weiter und je häufiger der Rücklauf darunter liegt, desto mehr Wasserdampf kann aus den Abgasen kondensieren und desto mehr latente Wärme kann an das Heizungswasser abgegeben werden. Je flacher eure Heizkurve ist, desto häufiger ist das der Fall.

Effizienz Wärmepumpe: Bei einer Wärmepumpe ist der Hebel noch größer, da ihre Effizienz direkt mit der Vorlauftemperatur zusammenhängt. Je geringer der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Vorlauftemperatur ist (Temperaturhub), desto weniger Strom benötigt die Wärmepumpe für den Verdichtungsprozess. Eine Absenkung der Vorlauftemperatur um nur ein Kelvin kann die Effizienz der Anlage um etwa 2 bis 2,5 Prozent steigern (ingenieur.de), auch wenn der tatsächliche Wert immer vom Betriebspunkt abhängt. Als Orientierung nennt Bosch einen wirtschaftlichen Betrieb bis zu einer Vorlauftemperatur von 50 bis 55 °C, darüber steigt der Stromverbrauch deutlich. Warum die Vorlauftemperatur in jeder Effizienzkennzahl steckt, erkläre ich ausführlich in meinem Beitrag zu den Effizienzkennzahlen der Wärmepumpe.

KriteriumBrennwertkesselWärmepumpe
Wirkprinzipmehr Kondensation bei niedrigem Rücklaufkleinerer Temperaturhub, weniger Strom
OrientierungRücklauf unter Taupunkt (Erdgas etwa 56 °C), Systemtemperaturen 75/55 °C oder niedrigerVorlauf möglichst unter 50 bis 55 °C, Spreizung 5 bis max. 10 K
Tabelle 2: Wirkung einer niedrigeren Vorlauftemperatur bei Brennwertkessel und Wärmepumpe

Für beide Wärmeerzeuger gilt: Die Optimierung der Heizkurve kostet nichts außer etwas Geduld.

Heizkurve einstellen: Schritt für Schritt zur niedrigsten Vorlauftemperatur

Der beste Zeitpunkt ist der Beginn der Heizperiode, da ihr bei milden Außentemperaturen gefahrlos testen könnt. Plant für die Optimierung aber mehrere Wochen ein, denn der eigentliche Test kommt erst mit dem ersten Kälteeinbruch.

Schritt 1: Ausgangswerte dokumentieren

Bevor ihr etwas verändert, notiert ihr die aktuelle Einstellung eurer Heizkurve. Ausgangswerte sind die Werte, die in der Regelung hinterlegt sind: Neigung, Niveau und Raumtemperatur-Sollwert, also beispielsweise Neigung 1,5 und Niveau +10 K. Zu diesen Werten könnt ihr jederzeit zurückkehren, falls eine Änderung nicht passt.

In Abbildung 3 ist links eine ältere Regelung zu sehen, bei der das Kennliniendiagramm direkt aufgedruckt ist und die Heizkurve über kleine Drehräder eingestellt wird. Die Einstellung der Heiz- und Absenkzeiten erfolgt mit Schaltreitern (blau und rot) in der Zeitschaltuhr. Rechts seht ihr eine digitale Regelung, die Neigung und Niveau als Zahlenwerte anzeigt, in diesem Fall Neigung 1,3 und Niveau 15 K. Am einfachsten fotografiert ihr die Drehräder, die Zeitschaltuhr oder das Display, dann habt ihr alle Ausgangswerte auf einen Blick.

Heizungsregelung zur Einstellung der Heizkurve – links: alte dezentrale manuelle Einheit, rechts: digitale Regeleinheit direkt im Wärmeerzeuger
Abbildung 3: Heizungsregelung zur Einstellung der Heizkurve. Links: alte dezentrale manuelle Einheit, rechts: digitale Regeleinheit direkt im Wärmeerzeuger.

Schritt 2: Startwert einordnen (optional)

Dieser Schritt ist eine Abkürzung, aber kein Muss. Im Bestand liegen die Planungsunterlagen selten vor, daher könnt ihr so euren Startwert anhand des Gebäudes abschätzen.

Ermittelt zuerst die Norm-Außentemperatur eures Standorts. Bei Unsicherheit hilft die Klimakarte vom BWP. Schätzt dann anhand eures Gebäudes ab, wo ihr ungefähr liegen könntet. Tabelle 3 fasst dafür beispielhaft die Richtwerte von Viessmann zusammen. Sie gelten zwar für Viessmann-Regelungen, sind aber ein guter Einstieg für das Verständnis.

Gebäude und HeizsystemTypische Neigung
gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung0,3 bis 0,5
gut gedämmtes Haus mit Heizkörpern1,0 bis 1,2
älteres, freistehendes Gebäude mit Heizkörpern1,4 bis 1,6
Wärmepumpe (allgemein)0,2 bis 0,4
Tabelle 3: Richtwerte für die Neigung nach Viessmann, gültig nur für Viessmann-Kennlinien

Auch die nachfolgende Tabelle 4 aus meinem Buch könnt ihr heranziehen, wenn ihr unsicher seid. Die Werte hängen ebenfalls von der Kennlinie des Herstellers ab.

Gebäude und HeizsystemTypische Neigung
Neubau mit hervorragender Dämmung, Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Vorlauf unter 50 °C0,2 bis 0,8
gedämmter Bestand, Niedertemperaturheizung oder Brennwert, Vorlauf etwa 50 bis 75 °C0,8 bis 1,4
Altbau mit schwacher Dämmung, ältere Wärmeerzeuger, Vorlauf über 75 °C1,4 bis 2,0
Tabelle 4: Orientierungswerte für die Neigung nach Haustechnik für Dummies

Sucht für den Startwert die Neigung im Diagramm eurer Regelung, die zu eurem Gebäude passt. Das Niveau stellt ihr dabei auf 0 K. Bei der Norm-Außentemperatur könnt ihr dann ablesen, welche Vorlauftemperatur diese Kennlinie anfordert. Liegt eure aktuelle Einstellung deutlich über den Werten aus Tabelle 3 und 4, besteht Optimierungspotenzial für die Heizkurve. Ohne Richtwerte startet ihr einfach mit der vorhandenen Einstellung.

Schritt 3: Thermostatköpfe öffnen

Beurteilt anschließend nur Räume, die ihr üblicherweise auf eure Wunschtemperatur heizt. Ein bewusst kühl gehaltenes Schlafzimmer eignet sich nicht als Maßstab.

Schritt 4: Niveau in kleinen Schritten absenken

Bei milder Witterung beginnt ihr mit dem Niveau und senkt es um 1 bis 2 K. Danach heißt es abwarten: bei Heizkörpern mindestens 24 Stunden, bei Fußbodenheizungen mindestens 48 Stunden, da der Estrich die Wärme lange speichert. Prüft die Raumtemperaturen mit einem Raumthermometer und nicht nach Gefühl. Werden alle Räume weiterhin warm, folgt der nächste Schritt. Bleibt ein Raum zurück, geht ihr einen Schritt zurück und notiert euch die Einstellung. Die Neigung lasst ihr vorerst unverändert, da die Kennlinien bei milden Außentemperaturen eng beieinander liegen (siehe Abbildung 2).

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Schritt 5: Beim ersten Frost nachjustieren

Ein milder Oktobertag sagt noch nichts darüber aus, ob eure Heizkurve auch im Januar ausreicht. Die Neigung lässt sich erst bei Außentemperaturen unter etwa 5 °C beurteilen. Mit Tabelle 5 könnt ihr gezielt korrigieren, die Neigung jeweils in Schritten von 0,1 und das Niveau in Schritten von 1 K.

Was ihr beobachtetMaßnahme
Zu kalt im Winter,
Übergangszeit (Herbst und Frühling) passt
→ Neigung auf den nächsthöheren Wert erhöhen: 0,1
Zu warm im Winter,
Übergangszeit (Herbst und Frühling) passt
→ Neigung auf den nächstniedrigeren Wert senken: 0,1
Zu kalt in der Übergangszeit (Herbst und Frühling),
Winter passt
→ Schritt 1: Niveau auf den nächsthöheren Wert anheben: 1 K
→ Schritt 2: Neigung auf den nächstniedrigeren Wert senken: 0,1
Zu warm in der Übergangszeit (Herbst und Frühling),
Winter passt
→ Schritt 1: Niveau auf den nächstniedrigeren Wert senken: 1 K
→ Schritt 2: Neigung auf den nächsthöheren Wert erhöhen: 0,1
grundsätzlich zu kalt oder zu warm→ Niveau anheben oder senken
Raumtemperatur-Sollwert→ Jedes Grad weniger spart rund 6 % Heizenergie.
→ Für effizienten Betrieb die normale Raumtemperatur nicht über 20 °C einstellen.
Tabelle 5: Korrekturmöglichkeiten für die Heizkurve

Habt ihr eure Heizkurve gefunden, stellt ihr die Thermostatköpfe wieder auf die gewohnte Stufe. In meinem Beitrag Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 8: Einstellen der Heizkurve habe ich die Einstellung direkt an einem praktischen Beispiel gezeigt.

Fehlerbilder: Was tun, wenn beim Absenken Probleme auftreten?

Nicht jedes Problem beim Absenken ist ein Problem der Heizkurve. Nachfolgend findet ihr noch typische Fehlerbilder und was ihr dann zuerst prüfen solltet:

  • Ein einzelner Raum wird als erster kalt: Hebt nicht gleich die gesamte Heizkurve an. Prüft zuerst, ob der Thermostatkopf das Ventil vollständig öffnet. Ein klemmender Ventilstift kann dazu führen, dass ein Heizkörper kalt bleibt, während die Nachbarheizkörper warm werden. Wie ihr ihn wieder gangbar macht, zeige ich euch im Beitrag Heizkörperventil klemmt: Ventilstift gangbar machen. Prüft danach, ob der Heizkörper entlüftet ist. Eine Anleitung dazu findet ihr im Beitrag Heizung entlüften und mit Wasser befüllen: Anleitung. Bleibt der Raum trotz dieser Maßnahmen als erster kalt, ist er euer Grenzraum und bestimmt, wie weit ihr die Heizkurve absenken könnt.
  • Die Heizung taktet häufig: Als häufige Ursache nennt Viessmann eine zu hoch eingestellte Heizkurve. Der Wärmeerzeuger stellt dann mehr Wärme bereit, als abgegeben werden kann, und schaltet ständig ab und wieder an. Senkt die Heizkurve schrittweise ab und beobachtet, ob sich die Laufzeiten verlängern.
  • Der Rücklauf am Brennwertkessel bleibt dauerhaft hoch: Ein zu hoher Volumenstrom verringert die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf und hebt damit die Rücklauftemperatur an, auch wenn die Heizkurve bereits passt. Das bedeutet: Die Leistung der Heizungspumpe kann zu hoch eingestellt sein. Die Leistung der Pumpe sollte aber nicht einfach auf Verdacht reduziert werden. Pumpeneinstellung und Voreinstellung der Heizkörperventile gehören zusammen und werden im Rahmen des hydraulischen Abgleichs ermittelt.

Wie hängen Heizkurve und hydraulischer Abgleich zusammen?

Beim Absenken stoßt ihr früher oder später auf euren Grenzraum, also den Raum, der als erster kalt wird. Ohne hydraulischen Abgleich ist das oft ein Raum, dessen Heizkörper zu wenig Heizungswasser erhält (er ist dann unterversorgt), während Heizkörper in der Nähe des Wärmeerzeugers überversorgt sind und zu viel Heizungswasser erhalten.

Ohne Abgleich könnt ihr die Heizkurve daher nur so weit absenken, wie es dieser Raum zulässt. Durch den hydraulischen Abgleich erhält jeder Heizkörper den Volumenstrom, den er benötigt, und die Grenze verschiebt sich nach unten. Die Heizkurve ersetzt den hydraulischen Abgleich somit nicht, beide Maßnahmen ergänzen sich.

Fazit

Ihr habt jetzt erfahren, wie ihr eure Heizkurve Schritt für Schritt absenken könnt. Wichtig dabei ist vorrangig, dass ihr die Werkseinstellung nicht als optimale Einstellung versteht. Nach den eigenen Richtwerten von Viessmann liegt die Werkseinstellung des Vitodens 300-W im Bereich eines Altbaus mit Heizkörpern und ist damit für ein gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung deutlich zu hoch. Daher schaut in die Bedienungsanleitung eures Wärmeerzeugers und stellt die Heizkurve nach den Empfehlungen für euer Gebäude ein.

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Die Heizkurve ersetzt keinen hydraulischen Abgleich, sie zeigt euch aber sehr genau, wo euer System an seine Grenzen kommt. Denkt deshalb darüber nach, ob ihr einen hydraulischen Abgleich durchführen wollt.

Falls ihr Fragen, Anregungen oder Kritik habt, nutzt die Kommentarfunktion. Nachfolgend findet ihr noch einen kleinen FAQ.

Viele Grüße! Martin

Häufige Fragen zur Heizkurve

Wie stelle ich die Heizkurve richtig ein?

Notiert eure Ausgangswerte und öffnet die Thermostatventile vollständig. Senkt zu Beginn der Heizperiode das Niveau in Schritten von 1 bis 2 K und passt die Neigung erst bei Außentemperaturen unter etwa 5 °C in Schritten von 0,1 an.

Was ist der Unterschied zwischen Neigung und Niveau?

Die Neigung bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur ansteigt, und wirkt vorwiegend bei Frost. Das Niveau verschiebt die gesamte Kennlinie nach oben oder unten.

Welche Neigung ist bei einer Fußbodenheizung richtig?

Einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht, da die Kennlinien herstellerabhängig sind. Viessmann nennt für ein gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung eine Neigung von 0,3 bis 0,5.

Wie lange muss ich nach einer Änderung der Heizkurve warten?

Habt Geduld bei der Optimierung eurer Heizkurve. Bei Heizkörpern solltet ihr nach der Änderung eines Wertes mindestens 24 Stunden warten. Da der Estrich bei Fußbodenheizungen die Wärme länger speichert, wartet hier mindestens 48 Stunden.

Kann ich die Heizkurve ohne hydraulischen Abgleich absenken?

Ja, allerdings nur so weit, wie es euer ungünstigster Raum zulässt. Wenn immer derselbe Raum die Grenze für die Heizkurve setzt, lohnt sich ein hydraulischer Abgleich.

Wie viel spart eine niedrigere Vorlauftemperatur?

Für Luft-Wasser-Wärmepumpen gilt als Faustregel, dass die Effizienz pro reduziertem Kelvin etwa um 2 bis 2,5 % steigt (abhängig vom Betriebspunkt). Beim Brennwertkessel steigt der Nutzen, wenn die Rücklauftemperatur überwiegend unterhalb des Abgastaupunktes liegt, da somit mehr latente Wärme durch den Brennwerteffekt fürs Heizen genutzt werden kann.

Weiterführende Links und Quellen:

Titelbild: Erstellt mit KI

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