In meinem heutigen Beitrag zeige ich euch, wie ihr die Heizkurve (oder Heizkennlinie) eurer Heizung so einstellt, dass alle Räume warm bleiben und die Anlage mit der niedrigsten möglichen Vorlauftemperatur betrieben werden kann. Das funktioniert mit einem Gas-Brennwertkessel genauso wie mit einer Wärmepumpe, und ihr benötigt dafür weder eine Berechnung noch spezielles Werkzeug.
Bei der Inbetriebnahme einer Heizungsanlage wird die Heizkurve meist großzügig eingestellt, damit es im Winter garantiert warm ist. Danach wird sie eigentlich nie wieder angefasst. Die Folgen sind höhere Verteilverluste, höhere Energiekosten und ein ineffizienter Betrieb der Wärmeerzeuger. Ein Brennwertkessel kann so beispielsweise nicht in den Kondensatbereich kommen und eine Wärmepumpe hat eine enttäuschende Jahresarbeitszahl.
Hinweis: Um die Heizkurve optimal einzustellen und das volle Energieeinsparpotenzial auszuschöpfen, empfehle ich vorher einen hydraulischen Abgleich durchzuführen (Serie Hydraulischen Abgleich selber machen), dieser ist aber keine Voraussetzung.
Was macht die Heizkurve eigentlich?
Die Heizkurve oder Heizkennlinie einer Heizungsanlage ist eine Steuer- und Regelmöglichkeit und sorgt bei richtiger Einstellung für einen effizienten und energiesparenden Betrieb. Die Heizkurve stellt dabei ein Verhältnis zwischen der Außentemperatur und der Vorlauftemperatur im Heizungssystem her. Das funktioniert etwa so:
- Bei sinkenden Außentemperaturen steigt die Vorlauftemperatur
- bei steigenden Außentemperaturen sinkt die Vorlauftemperatur.
Somit wird Energie gespart und dem Gebäude wird bei unterschiedlichen Außentemperaturen nur so viel Wärme zur Verfügung gestellt, wie notwendig ist. Um die Heizkurve einstellen zu können, benötigt ihr eine witterungsgeführte Regelung.
Dafür besitzt die Heizung einen Außentemperaturfühler, was bei den meisten Anlagen der Fall ist. Der Fühler übergibt die Außentemperatur als Eingangsgröße an die Heizungsregelung, welche sie verarbeitet und eine angestrebte Vorlauftemperatur als Sollwert ausgibt. Je kälter es draußen ist, desto höher fällt die Vorlauftemperatur aus.
Beitragsempfehlung: Der Unterschied zwischen Steuerung und Regelung
Neigung, Niveau und Raumtemperatur-Sollwert: Was bewirkt welche Einstellung?
Für die Einstellung der Heizkurve stehen euch an der Regelung drei Stellgrößen zur Verfügung. Je nach Hersteller tragen sie unterschiedliche Namen, so können Neigung und Niveau auch Steilheit und Parallelverschiebung heißen. In Abbildung 1 ist dargestellt, wie sich die drei Stellgrößen auf die Heizkurve auswirken.

- Neigung (Steilheit): Über die Neigung legt ihr fest, wie stark die Vorlauftemperatur ansteigt, wenn es draußen kälter wird. Im linken Teil von Abbildung 1 fordert die steile Kennlinie bereits bei gut 13 °C Außentemperatur rund 55 °C an (typisch für unsanierte Altbauten mit hohen Wärmeverlusten), während die flache Kennlinie noch unter 30 °C bleibt (typisch für gut gedämmte Neubauten und Heizsysteme mit niedrigen Vorlauftemperaturen).
- Niveau: Das Niveau verschiebt die gesamte Heizkurve parallel nach oben oder unten. Bezugsgröße ist die Referenz-Außentemperatur (in der Praxis meist +20 °C). Die Standardeinstellung ist in der Regel 0 Kelvin (0 K), dabei startet der Fußpunkt der Kurve bei +20 °C Außentemperatur. Stellt ihr das Niveau auf +15 K, liegen alle Vorlauftemperaturen der Kurve um 15 K höher, auch am Fußpunkt. Der Fußpunkt liegt dann bei einer Vorlauftemperatur von 35 °C (20 °C + 15 K = 35 °C).
- Raumtemperatur-Sollwert: Über diese Einstellung könnt ihr den gewünschten Raumtemperatur-Sollwert angeben, was in modernen Regelungen direkt erfolgt. Die Regelung verschiebt die Kurve dann intern entsprechend. In der Regel ist eine Raumtemperatur von 20 °C hinterlegt. Wenn ihr den Sollwert erhöht oder senkt, verschiebt sich die gesamte Kurve parallel. Bei der Nachtabsenkung (etwa 16 °C) erfolgt eine temporäre Parallelverschiebung nach unten.
Hinweis: Beim Niveau und beim Raumtemperatur-Sollwert wird nicht die Neigung verändert, sondern es erfolgt eine Parallelverschiebung der Heizkurve.
| Stellgröße | Wirkung auf die Kennlinie | Wann ihr sie ändert |
|---|---|---|
| Neigung | macht die Kennlinie steiler oder flacher, Wirkung wächst mit sinkender Außentemperatur | Räume bei Frost zu kalt oder zu warm |
| Niveau | ganze Kennlinie nach oben oder unten verschoben | Räume in der Übergangszeit zu kalt oder zu warm |
| Raumtemperatur-Sollwert | Verschiebung der Kennlinie entlang der Raumtemperaturachse | gewünschte Raumtemperatur ändert sich |
Tipp: Beim Raumtemperatur-Sollwert lohnt sich Zurückhaltung. Als Faustregel spart jedes Grad weniger Raumtemperatur rund 6 % Heizenergie, abhängig von Gebäude und Ausgangstemperatur. Das Umweltbundesamt empfiehlt für Wohnräume nicht mehr als 20 °C.
Wie lest ihr ein Heizkennliniendiagramm?
Ein Heizkennliniendiagramm findet ihr in der Regel in der Bedienungsanleitung eurer Regelung. In Abbildung 2 ist ein typisches Diagramm mit Neigungen von 0,2 (flach) bis 2,6 (steil) zu sehen. Auf der waagerechten Achse ist die Außentemperatur aufgetragen, nach rechts wird es kälter. Auf der senkrechten Achse lest ihr die Vorlauftemperatur ab. Die schräge Achse unten links steht für den Raumtemperatur-Sollwert, der in diesem Diagramm bei 20 °C liegt.

Schauen wir uns gemeinsam die Kennlinie mit der Neigung 1,2 an. Dafür sucht ihr auf der waagerechten Achse die Außentemperatur, beispielsweise −15 °C, geht senkrecht nach oben bis zur Kennlinie 1,2 und von dort waagerecht nach links zur Vorlauftemperatur. Bei −15 °C Außentemperatur fordert die Regelung so rund 65 °C an, bei 5 °C Außentemperatur sind es auf derselben Kennlinie rund 45 °C.
Hinweis: Die Kennlinien unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller. Nutzt daher immer das Diagramm aus der Anleitung eurer eigenen Regelung und übertragt keine Einstellwerte von einer Regelung auf eine andere.
Technischer Hintergrund: Wie ihr in Abbildung 2 seht, verlaufen die Kennlinien nicht gerade, sondern werden zur kalten Seite hin flacher. Das liegt an den Heizflächen, denn die Wärmeabgabe eines Heizkörpers steigt überproportional mit seiner Übertemperatur gegenüber dem Raum. Beschrieben wird dies durch den Heizkörperexponenten, den die Hersteller nach DIN EN 442 für ihre Heizkörper ermitteln und der bei Plattenheizkörpern meist bei etwa 1,3 liegt. Das bedeutet: Für die doppelte Wärmeabgabe benötigt ein Heizkörper keine doppelte Übertemperatur. Bei Fußbodenheizungen fällt dieser Effekt mit einem Exponenten von etwa 1,1 deutlich geringer aus.
Warum ist die Heizkurve so oft zu hoch eingestellt?
Wenn ich bei Begehungen und in Beratungen frage, wie die Heizkurve eingestellt ist, bekomme ich fast immer dieselbe Antwort: „Keine Ahnung, das hat der Heizungsbauer damals gemacht.“ Dabei lohnt sich für euch ein Blick auf die Werkseinstellung. Viessmann gibt für das Gas-Brennwertgerät Vitodens 300-W beispielsweise eine Werkseinstellung von Neigung 1,4 und Niveau 0 an (Bedienungsanleitung S. 27). In den eigenen Richtwerten ordnet Viessmann eine Neigung von 1,4 bis 1,6 älteren, freistehenden Gebäuden mit Heizkörpern zu, einem gut gedämmten Haus mit Fußbodenheizung hingegen eine Neigung von 0,3 bis 0,5 (siehe Tabelle 3).
Wird die Werkseinstellung bei der Inbetriebnahme nicht angepasst, läuft ein gut gedämmtes Haus somit dauerhaft mit einer Kennlinie, die der Hersteller selbst für einen Altbau vorsieht. Hinzu kommt: Wird ein einzelner Raum nicht warm, liegt es nahe, die gesamte Heizkurve anzuheben. Die Temperatur wird dann aber für das gesamte Gebäude angehoben, nicht nur für ein einzelnes Zimmer. Oft ist ein solcher Raum kein Problem der Heizkurve, sondern der Wärmeverteilung, doch dazu später mehr.
Nach meiner Erfahrung ist eine Vorlauftemperatur von 70 °C oder mehr bei mildem Wetter in fast jedem Einfamilienhaus ein deutliches Zeichen dafür, dass die Heizkurve falsch eingestellt ist.
Anekdote aus der Praxis: Wie schnell die Heizkurve aus den falschen Gründen angehoben wird, zeigt ein Fall aus meiner Praxis. Während einer Begehung zur Betriebsoptimierung in einer Polizeistation im ländlichen Bereich, welche in einem Einfamilienhaus untergebracht war, gaben die Polizistinnen und Polizisten an, dass es montags und generell morgens angenehm warm sei, im Laufe des Tages und zum Ende der Woche jedoch immer kälter werde. Der Hausmeister hob daraufhin die Temperaturen über die Heizkurve an, damit es auch tagsüber und bis zum Ende der Woche noch warm blieb. Ein Blick in die Nutzungszeiten zeigte dann die eigentliche Ursache: Hinterlegt war das Wochenprogramm für ein Einfamilienhaus. Geheizt wurde also am Wochenende, morgens für ein paar Stunden und abends, nachdem niemand mehr in der Polizeistation war. Während der Dienstzeiten lief die Heizung im Absenkbetrieb. Statt die Heizzeiten anzupassen, wurden die Raum- und Systemtemperaturen über die Heizkurve angehoben. Die Folge waren auffällig hohe Energieverbräuche und ein außerhalb der Dienstzeiten überheiztes Gebäude. Diese Einstellung blieb über 25 Jahre unbemerkt.
Das bedeutet: Meldet jemand zu kalte Räume zu bestimmten Tageszeiten oder Wochentagen, prüft zuerst die Zeitprogramme, bevor ihr die Heizkurve anpasst.
Was bringt eine niedrigere Vorlauftemperatur?
Mit sinkender Vorlauftemperatur verringern sich zunächst die Wärmeverluste der Rohrleitungen, beispielsweise in unbeheizten Kellerräumen. Zudem arbeiten Brennwertkessel und Wärmepumpen bei niedrigeren Temperaturen effizienter, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
Effizienz Brennwertkessel: Ein Brennwertkessel nutzt zusätzlich die latente Wärme, die bei der Kondensation des Wasserdampfs im Abgas frei wird. Dafür muss die Rücklauftemperatur des Heizungswassers aber unterhalb des Taupunkts der Abgase liegen, welcher bei Erdgas bei etwa 56 °C liegt. Je weiter und je häufiger der Rücklauf darunter liegt, desto mehr Wasserdampf kann aus den Abgasen kondensieren und desto mehr latente Wärme kann an das Heizungswasser abgegeben werden. Je flacher eure Heizkurve ist, desto häufiger ist das der Fall.
Effizienz Wärmepumpe: Bei einer Wärmepumpe ist der Hebel noch größer, da ihre Effizienz direkt mit der Vorlauftemperatur zusammenhängt. Je geringer der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Vorlauftemperatur ist (Temperaturhub), desto weniger Strom benötigt die Wärmepumpe für den Verdichtungsprozess. Eine Absenkung der Vorlauftemperatur um nur ein Kelvin kann die Effizienz der Anlage um etwa 2 bis 2,5 Prozent steigern (ingenieur.de), auch wenn der tatsächliche Wert immer vom Betriebspunkt abhängt. Als Orientierung nennt Bosch einen wirtschaftlichen Betrieb bis zu einer Vorlauftemperatur von 50 bis 55 °C, darüber steigt der Stromverbrauch deutlich. Warum die Vorlauftemperatur in jeder Effizienzkennzahl steckt, erkläre ich ausführlich in meinem Beitrag zu den Effizienzkennzahlen der Wärmepumpe.
| Kriterium | Brennwertkessel | Wärmepumpe |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | mehr Kondensation bei niedrigem Rücklauf | kleinerer Temperaturhub, weniger Strom |
| Orientierung | Rücklauf unter Taupunkt (Erdgas etwa 56 °C), Systemtemperaturen 75/55 °C oder niedriger | Vorlauf möglichst unter 50 bis 55 °C, Spreizung 5 bis max. 10 K |
Für beide Wärmeerzeuger gilt: Die Optimierung der Heizkurve kostet nichts außer etwas Geduld.
Heizkurve einstellen: Schritt für Schritt zur niedrigsten Vorlauftemperatur
Der beste Zeitpunkt ist der Beginn der Heizperiode, da ihr bei milden Außentemperaturen gefahrlos testen könnt. Plant für die Optimierung aber mehrere Wochen ein, denn der eigentliche Test kommt erst mit dem ersten Kälteeinbruch.
Schritt 1: Ausgangswerte dokumentieren
Bevor ihr etwas verändert, notiert ihr die aktuelle Einstellung eurer Heizkurve. Ausgangswerte sind die Werte, die in der Regelung hinterlegt sind: Neigung, Niveau und Raumtemperatur-Sollwert, also beispielsweise Neigung 1,5 und Niveau +10 K. Zu diesen Werten könnt ihr jederzeit zurückkehren, falls eine Änderung nicht passt.
Hinweis: Die Heizkurve stellt ihr an der Heizungsregelung ein. Diese sitzt entweder in einem separaten Regler oder direkt im Wärmeerzeuger. Je nach Hersteller heißen die Werte im Menü Heizkurve, Heizkennlinie, Neigung, Steilheit, Niveau oder Parallelverschiebung. Im Zweifel hilft die Bedienungsanleitung weiter.
In Abbildung 3 ist links eine ältere Regelung zu sehen, bei der das Kennliniendiagramm direkt aufgedruckt ist und die Heizkurve über kleine Drehräder eingestellt wird. Die Einstellung der Heiz- und Absenkzeiten erfolgt mit Schaltreitern (blau und rot) in der Zeitschaltuhr. Rechts seht ihr eine digitale Regelung, die Neigung und Niveau als Zahlenwerte anzeigt, in diesem Fall Neigung 1,3 und Niveau 15 K. Am einfachsten fotografiert ihr die Drehräder, die Zeitschaltuhr oder das Display, dann habt ihr alle Ausgangswerte auf einen Blick.

Tipp: Für Architekturschaffende und Facility Manager gilt dasselbe in größerem Maßstab. Bei jeder Objektübernahme gehören die Einstellwerte der Heizkurve sowie die Heiz- und Absenkzeiten in die Dokumentation, sonst fehlt später jede Vergleichsbasis.
Schritt 2: Startwert einordnen (optional)
Dieser Schritt ist eine Abkürzung, aber kein Muss. Im Bestand liegen die Planungsunterlagen selten vor, daher könnt ihr so euren Startwert anhand des Gebäudes abschätzen.
Ermittelt zuerst die Norm-Außentemperatur eures Standorts. Bei Unsicherheit hilft die Klimakarte vom BWP. Schätzt dann anhand eures Gebäudes ab, wo ihr ungefähr liegen könntet. Tabelle 3 fasst dafür beispielhaft die Richtwerte von Viessmann zusammen. Sie gelten zwar für Viessmann-Regelungen, sind aber ein guter Einstieg für das Verständnis.
| Gebäude und Heizsystem | Typische Neigung |
|---|---|
| gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung | 0,3 bis 0,5 |
| gut gedämmtes Haus mit Heizkörpern | 1,0 bis 1,2 |
| älteres, freistehendes Gebäude mit Heizkörpern | 1,4 bis 1,6 |
| Wärmepumpe (allgemein) | 0,2 bis 0,4 |
Auch die nachfolgende Tabelle 4 aus meinem Buch könnt ihr heranziehen, wenn ihr unsicher seid. Die Werte hängen ebenfalls von der Kennlinie des Herstellers ab.
| Gebäude und Heizsystem | Typische Neigung |
|---|---|
| Neubau mit hervorragender Dämmung, Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Vorlauf unter 50 °C | 0,2 bis 0,8 |
| gedämmter Bestand, Niedertemperaturheizung oder Brennwert, Vorlauf etwa 50 bis 75 °C | 0,8 bis 1,4 |
| Altbau mit schwacher Dämmung, ältere Wärmeerzeuger, Vorlauf über 75 °C | 1,4 bis 2,0 |
Wichtig: Richtwerte sind nur ein Startpunkt. Jedes Gebäude ist anders, daher müsst ihr euch an eure Heizkurve herantasten.
Sucht für den Startwert die Neigung im Diagramm eurer Regelung, die zu eurem Gebäude passt. Das Niveau stellt ihr dabei auf 0 K. Bei der Norm-Außentemperatur könnt ihr dann ablesen, welche Vorlauftemperatur diese Kennlinie anfordert. Liegt eure aktuelle Einstellung deutlich über den Werten aus Tabelle 3 und 4, besteht Optimierungspotenzial für die Heizkurve. Ohne Richtwerte startet ihr einfach mit der vorhandenen Einstellung.
Schritt 3: Thermostatköpfe öffnen
Hinweis: Während der gesamten Optimierung müssen die Thermostatköpfe vollständig geöffnet sein. Ein Thermostat, das auf 20 °C eingestellt ist, drosselt den Heizkörper, sobald der Raum warm genug ist, und verdeckt so eine zu hohe Heizkurve. Viessmann empfiehlt daher ebenfalls, alle Thermostate vor der Anpassung auf die höchste Stufe zu stellen.
Beurteilt anschließend nur Räume, die ihr üblicherweise auf eure Wunschtemperatur heizt. Ein bewusst kühl gehaltenes Schlafzimmer eignet sich nicht als Maßstab.
Schritt 4: Niveau in kleinen Schritten absenken
Bei milder Witterung beginnt ihr mit dem Niveau und senkt es um 1 bis 2 K. Danach heißt es abwarten: bei Heizkörpern mindestens 24 Stunden, bei Fußbodenheizungen mindestens 48 Stunden, da der Estrich die Wärme lange speichert. Prüft die Raumtemperaturen mit einem Raumthermometer und nicht nach Gefühl. Werden alle Räume weiterhin warm, folgt der nächste Schritt. Bleibt ein Raum zurück, geht ihr einen Schritt zurück und notiert euch die Einstellung. Die Neigung lasst ihr vorerst unverändert, da die Kennlinien bei milden Außentemperaturen eng beieinander liegen (siehe Abbildung 2).
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Hinweis: Viessmann empfiehlt die umgekehrte Reihenfolge: erst die Neigung bei Außentemperaturen unter 5 °C, dann das Niveau bei 5 bis 15 °C. Zu Beginn der Heizperiode gibt es diese kalten Tage aber noch nicht. Deshalb startet ihr mit dem Niveau und prüft die Neigung beim ersten Frost.
Schritt 5: Beim ersten Frost nachjustieren
Ein milder Oktobertag sagt noch nichts darüber aus, ob eure Heizkurve auch im Januar ausreicht. Die Neigung lässt sich erst bei Außentemperaturen unter etwa 5 °C beurteilen. Mit Tabelle 5 könnt ihr gezielt korrigieren, die Neigung jeweils in Schritten von 0,1 und das Niveau in Schritten von 1 K.
| Was ihr beobachtet | Maßnahme |
|---|---|
| Zu kalt im Winter, Übergangszeit (Herbst und Frühling) passt | → Neigung auf den nächsthöheren Wert erhöhen: 0,1 |
| Zu warm im Winter, Übergangszeit (Herbst und Frühling) passt | → Neigung auf den nächstniedrigeren Wert senken: 0,1 |
| Zu kalt in der Übergangszeit (Herbst und Frühling), Winter passt | → Schritt 1: Niveau auf den nächsthöheren Wert anheben: 1 K → Schritt 2: Neigung auf den nächstniedrigeren Wert senken: 0,1 |
| Zu warm in der Übergangszeit (Herbst und Frühling), Winter passt | → Schritt 1: Niveau auf den nächstniedrigeren Wert senken: 1 K → Schritt 2: Neigung auf den nächsthöheren Wert erhöhen: 0,1 |
| grundsätzlich zu kalt oder zu warm | → Niveau anheben oder senken |
| Raumtemperatur-Sollwert | → Jedes Grad weniger spart rund 6 % Heizenergie. → Für effizienten Betrieb die normale Raumtemperatur nicht über 20 °C einstellen. |
Habt ihr eure Heizkurve gefunden, stellt ihr die Thermostatköpfe wieder auf die gewohnte Stufe. In meinem Beitrag Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 8: Einstellen der Heizkurve habe ich die Einstellung direkt an einem praktischen Beispiel gezeigt.
Tipp: Falls du dir unsicher bei der Einstellung der Heizkurve bist, am besten beim nächsten Wartungstermin ansprechen und einmalig mit einem Fachbetrieb einstellen.
Fehlerbilder: Was tun, wenn beim Absenken Probleme auftreten?
Nicht jedes Problem beim Absenken ist ein Problem der Heizkurve. Nachfolgend findet ihr noch typische Fehlerbilder und was ihr dann zuerst prüfen solltet:
- Ein einzelner Raum wird als erster kalt: Hebt nicht gleich die gesamte Heizkurve an. Prüft zuerst, ob der Thermostatkopf das Ventil vollständig öffnet. Ein klemmender Ventilstift kann dazu führen, dass ein Heizkörper kalt bleibt, während die Nachbarheizkörper warm werden. Wie ihr ihn wieder gangbar macht, zeige ich euch im Beitrag Heizkörperventil klemmt: Ventilstift gangbar machen. Prüft danach, ob der Heizkörper entlüftet ist. Eine Anleitung dazu findet ihr im Beitrag Heizung entlüften und mit Wasser befüllen: Anleitung. Bleibt der Raum trotz dieser Maßnahmen als erster kalt, ist er euer Grenzraum und bestimmt, wie weit ihr die Heizkurve absenken könnt.
- Die Heizung taktet häufig: Als häufige Ursache nennt Viessmann eine zu hoch eingestellte Heizkurve. Der Wärmeerzeuger stellt dann mehr Wärme bereit, als abgegeben werden kann, und schaltet ständig ab und wieder an. Senkt die Heizkurve schrittweise ab und beobachtet, ob sich die Laufzeiten verlängern.
- Der Rücklauf am Brennwertkessel bleibt dauerhaft hoch: Ein zu hoher Volumenstrom verringert die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf und hebt damit die Rücklauftemperatur an, auch wenn die Heizkurve bereits passt. Das bedeutet: Die Leistung der Heizungspumpe kann zu hoch eingestellt sein. Die Leistung der Pumpe sollte aber nicht einfach auf Verdacht reduziert werden. Pumpeneinstellung und Voreinstellung der Heizkörperventile gehören zusammen und werden im Rahmen des hydraulischen Abgleichs ermittelt.
Wie hängen Heizkurve und hydraulischer Abgleich zusammen?
Beim Absenken stoßt ihr früher oder später auf euren Grenzraum, also den Raum, der als erster kalt wird. Ohne hydraulischen Abgleich ist das oft ein Raum, dessen Heizkörper zu wenig Heizungswasser erhält (er ist dann unterversorgt), während Heizkörper in der Nähe des Wärmeerzeugers überversorgt sind und zu viel Heizungswasser erhalten.
Ohne Abgleich könnt ihr die Heizkurve daher nur so weit absenken, wie es dieser Raum zulässt. Durch den hydraulischen Abgleich erhält jeder Heizkörper den Volumenstrom, den er benötigt, und die Grenze verschiebt sich nach unten. Die Heizkurve ersetzt den hydraulischen Abgleich somit nicht, beide Maßnahmen ergänzen sich.
Meine Empfehlung: Senkt die Heizkurve so weit ab, wie euer Grenzraum es zulässt. Setzt immer derselbe Raum die Grenze, ist das ein deutliches Zeichen, dass sich ein hydraulischer Abgleich lohnt. Wie ihr den Abgleich selbst durchführt und die Heizkurve anschließend im Auslegungsfall einstellt, zeige ich euch in Schritt 8 meiner Serie „Hydraulischen Abgleich selber machen“.
Im Folgenden findet ihr die Übersicht zur Serie „Hydraulischen Abgleich selber machen“:
- Hydraulischer Abgleich – Beispiel an einem Einfamilienhaus
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 1: Grundlagen
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 2: Heizlastberechnung
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 3: Datenaufnahme
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 4: Berechnen der Heizkörperleistung
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Korrektur: Fußbodenheizung oder Fußbodenerwärmung?
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 5: Volumenstrom berechnen
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 6: Voreinstellung der Heizkörperventile
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 7: Heizungspumpe berechnen
- Hydraulischen Abgleich selber machen – Schritt 8: Heizkurve einstellen
Zugehörige Beiträge zum hydraulischen Abgleich außerhalb der Serie:
- Was ist ein hydraulischer Abgleich?
- Wie funktioniert ein Thermostatventil?
- Berechnung von alten Heizkörpern im Bestand
- Kosten für einen hydraulischen Abgleich berechnen
- Automatischer hydraulischer Abgleich – Alles Quatsch?!
- Hydraulischer Abgleich im Vergleich: Statisch vs. Dynamisch vs. Adaptiv vs. Thermisch
Technischer Hintergrund: In Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen oder sonstigen selbständigen Nutzungseinheiten schreibt § 60b des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) eine Heizungsprüfung für wassergeführte Heizungsanlagen vor. Für Anlagen, die vor dem 01.10.2009 eingebaut wurden, läuft die Frist bis zum 30.09.2027. Zeigt die Prüfung eine grobe Fehleinstellung, gehören die Absenkung der Vorlauftemperatur oder die Optimierung der Heizkurve zu den Maßnahmen, die innerhalb eines Jahres umzusetzen sind. Wärmepumpen, die nach dem 31.12.2023 in solchen Gebäuden eingebaut wurden, unterliegen stattdessen einer Betriebsprüfung nach § 60a, zu deren Prüfumfang auch die Heizkurve gehört. Das bedeutet: Ein- und Zweifamilienhäuser sind davon nicht betroffen, in größeren Gebäuden wird die Heizkurve jedoch Teil einer Prüfpflicht.
Fazit
Ihr habt jetzt erfahren, wie ihr eure Heizkurve Schritt für Schritt absenken könnt. Wichtig dabei ist vorrangig, dass ihr die Werkseinstellung nicht als optimale Einstellung versteht. Nach den eigenen Richtwerten von Viessmann liegt die Werkseinstellung des Vitodens 300-W im Bereich eines Altbaus mit Heizkörpern und ist damit für ein gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung deutlich zu hoch. Daher schaut in die Bedienungsanleitung eures Wärmeerzeugers und stellt die Heizkurve nach den Empfehlungen für euer Gebäude ein.
Mein Tipp: Habt Geduld bei der Optimierung der Heizkurve, plant diese über mehrere Wochen in kleinen Schritten und nicht an einem Wochenende in großen Sprüngen. Mit den dokumentierten Ausgangswerten könnt ihr die Einstellungen jederzeit rückgängig machen, was das Risiko deutlich reduziert.
Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis: Die Heizkurve ersetzt keinen hydraulischen Abgleich, sie zeigt euch aber sehr genau, wo euer System an seine Grenzen kommt. Denkt deshalb darüber nach, ob ihr einen hydraulischen Abgleich durchführen wollt.
Falls ihr Fragen, Anregungen oder Kritik habt, nutzt die Kommentarfunktion. Nachfolgend findet ihr noch einen kleinen FAQ.
Viele Grüße! Martin
Häufige Fragen zur Heizkurve
Wie stelle ich die Heizkurve richtig ein?
Notiert eure Ausgangswerte und öffnet die Thermostatventile vollständig. Senkt zu Beginn der Heizperiode das Niveau in Schritten von 1 bis 2 K und passt die Neigung erst bei Außentemperaturen unter etwa 5 °C in Schritten von 0,1 an.
Was ist der Unterschied zwischen Neigung und Niveau?
Die Neigung bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur ansteigt, und wirkt vorwiegend bei Frost. Das Niveau verschiebt die gesamte Kennlinie nach oben oder unten.
Welche Neigung ist bei einer Fußbodenheizung richtig?
Einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht, da die Kennlinien herstellerabhängig sind. Viessmann nennt für ein gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung eine Neigung von 0,3 bis 0,5.
Wie lange muss ich nach einer Änderung der Heizkurve warten?
Habt Geduld bei der Optimierung eurer Heizkurve. Bei Heizkörpern solltet ihr nach der Änderung eines Wertes mindestens 24 Stunden warten. Da der Estrich bei Fußbodenheizungen die Wärme länger speichert, wartet hier mindestens 48 Stunden.
Kann ich die Heizkurve ohne hydraulischen Abgleich absenken?
Ja, allerdings nur so weit, wie es euer ungünstigster Raum zulässt. Wenn immer derselbe Raum die Grenze für die Heizkurve setzt, lohnt sich ein hydraulischer Abgleich.
Wie viel spart eine niedrigere Vorlauftemperatur?
Für Luft-Wasser-Wärmepumpen gilt als Faustregel, dass die Effizienz pro reduziertem Kelvin etwa um 2 bis 2,5 % steigt (abhängig vom Betriebspunkt). Beim Brennwertkessel steigt der Nutzen, wenn die Rücklauftemperatur überwiegend unterhalb des Abgastaupunktes liegt, da somit mehr latente Wärme durch den Brennwerteffekt fürs Heizen genutzt werden kann.
Weiterführende Links und Quellen:
- Viessmann: Heizkurve richtig einstellen
- Viessmann: Bedienungsanleitung Vitodens 300-W (PDF)
- Wolf: Heizkurve einstellen
- haustechnikdialog.de: Brennwerttechnik, Abgastaupunkt (Sekundärquelle)
- Bosch: Vorlauftemperatur der Wärmepumpe
- ingenieur.de: Wärmepumpe optimal einstellen (12.09.2023)
- Umweltbundesamt: Heizen und Raumtemperatur
- § 60a GModG
- § 60b GModG
- KEDi (dena): Heizungsoptimierung nach §§ 60a bis 60c
- DIN EN 442 und DIN EN 1264
- Bundesverband Wärmepumpe (BWP): Klimakarte
- Effizienzkennzahlen der Wärmepumpe: COP, SCOP, JAZ und ETAs
- Hydraulischen Abgleich selber machen, Schritt 8: Einstellen der Heizkurve
- Martin Schlobach: Haustechnik für Dummies, Wiley-VCH (2023)
Titelbild: Erstellt mit KI








Hinweis zu Auslegungsfragen: Fragen zum Verständnis beantworte ich hier gern. Objektbezogene Auslegungen mit deinen konkreten Zahlen prüfe ich im Rahmen einer Beratung, das lässt sich in einem Kommentar nicht seriös leisten.